Jüngst wollte rasch dein Aug' sich feuchten –

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Ferdinand von Saar: Jüngst wollte rasch dein Aug' sich feuchten – Titel entspricht 1. Vers(1869)

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Jüngst wollte rasch dein Aug' sich feuchten –
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Es wußte Niemand wohl den Grund:
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Man sah nur still die Thräne leuchten
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Und leise zucken deinen Mund.

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Das aber fühlt' ich: eig'ner Leiden
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Warst du nicht bange dir bewußt;
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Du lerntest ja dich stets bescheiden,
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Weil du für And're zittern mußt.

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In deiner Mitgebor'nen Kreise
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Fällt jedes Weh' auf dich zurück;
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Du nimmst es hin in deiner Weise,
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Du nimmst es hin, als wär's ein Glück.

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Nur wenn du des Vergang'nen Schwere –
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Und was noch kommen kann, erwägst:
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Verräth in deinem Aug' die Zähre,
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Wie groß die Last ist, die du trägst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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