O du Garten, wo, als Knaben

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: O du Garten, wo, als Knaben Titel entspricht 1. Vers(1788)

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O du Garten, wo, als Knaben,
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Mir zu hoch kein Apfel hing,
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Du verschwiegner Mühlengraben,
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Wo den ersten Schmerl ich fing,
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Und du Busch, durch dessen Aeste
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Mir ein Hänfling einst entflog,
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Und fünf Junge mir im Neste
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Ueberließ, die ich erzog:
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Eurer werd' ich dann noch denken,
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Wenn der Operntänzer Kunst
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Mit der Scaramuze Schwänken
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Längst bei mir verflog wie Dunst.
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Eurer werd' ich nicht vergessen,
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Wenn ich gleich des Witzlings Spaß,
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Und der Prunksucht Abendessen
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Schon am Morgen drauf vergaß.
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Nachbarin im Flügelkleide,
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Meines Herzens erste Braut,
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Meiner Kindheit liebste Freude!
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Hörst du jetzt noch meinen Laut?
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Denkst du noch im Himmel meiner?
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Oder weist du nichts von mir?
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Lieb' ist dort ja selbst nicht reiner,
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Als die meinige zu dir.
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Jährlich wird der Hügel kleiner,
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Den dein Sarg so lange trug,
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Aber das Gedächtniß deiner,
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Mindert nicht der Jahre Flug.
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Lieben werd' ich, bis mein Endchen
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Lebenslicht ist abgebrannt,
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Dich wie sonst, als noch dein Händchen
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Unschuldsvoll mir Kränze band.
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Ach! aus keinem Festpokale
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Sog ich solchen Rausch noch ein,
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Als aus dir, geliebte Saale!
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Auf dem Felsen
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Tragt, wenn's seyn kann, aus dem Thale
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Sterbend mich auf jene Höhn,
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Daß ich da zum letztenmale
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Seh' die Sonne niedergehn.
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Von der Newa bis zum Rheine,
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Von der Weichsel bis zur Aar,
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Sah ich jede Flur, doch keine,
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Die mir lieb wie jene war.
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Wie ich nun allein so walle
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In des Lebens Abendroth!
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Saale! Wie zerstreut sind alle
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Unsre Freunde, oder todt!
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Meinen Schlaf hat nur zwei Lenze,
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Aber tausend Veilchenkränze
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Mir die Freud' an dir gepflückt.
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O du trauter Vollmond! glänze
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So noch jetzt auf meinen Pfad!
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Meine Tage waren Tänze,
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Meine Nächt' ein kühlend Bad.
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Dort versucht' auf kleiner Leyer
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Meine Hand den ersten Griff.
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Doch, so segelt ohne Steuer
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Ein sich selbst gelaßnes Schiff.
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Dennoch hüpfte damals freier
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In den Adern mir das Blut,
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Als wie jetzt, wo unterm Schleier
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Nicht wie sonst mein Name ruht.
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Was gibt mehr als edle Liebe?
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Und was diese geben kann,
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Gab sie alles mir. Ich bliebe
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Noch ein hochbeglückter Mann,
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Hätte sie die Hälfte dessen,
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(zu partheiisch zwar vielleicht!)
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Was sie mir hat zugemessen,
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Nur zu meinem Theil' gereicht.
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Tückisch stachen zwar die Schlangen
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Um des Neides Haupt, auch mich;
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Doch Vergangnes sey vergangen!
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Dann so schmerzt nicht mehr ihr Stich.
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Uebrig bleiben nur die Zähren,
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Die der Tod mir ausgepreßt,
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Aber diese selbst gewähren
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Mir ein stilles Herzensfest.
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Nimm denn, Glück! mir jede Gabe!
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Dennoch bleibt mir noch genung,
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Wenn ich dich nur immer habe,
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Süße Rückerinnerung!
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Bleibst nur du bis an das Ende
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Meines Lebens mir getreu:
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O so sterb' ich reich, und fände
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Mich der Tod auf einer Streu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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