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In König Karls, des weisen, Gnade
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Wuchs Aubry von Montdidier,
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Gleich einem Oelbaum' am Gestade
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Denn er, kein Schmeichler und kein Zwitter
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Von Schurk' und Biedermann,
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Hing eifriger als alle Ritter
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Bei Hof, der Wahrheit an.
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Schnell sah der Ritter von Macaire
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Im Glanz' des Throns den Liebling blühn,
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Und er, der gern gewesen wäre,
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Jetzt Aubry war, legt' diesem Schlingen,
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Fein, wie der Neid sie flicht,
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Und grub ihm Gruben, doch gelingen
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Wollt' alle List ihm nicht.
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Von einem Jagdhund' nur begleitet,
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Ging Aubry einstens in den Wald
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Von Bondy. Siehe! plötzlich reitet
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Sein Feind daher. »Halt! Halt!
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Du Memme!« rief er. Aubry kannte
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Die Stimm', und hielt's für Scherz;
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Doch jener zog sein Schwert und rannte
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Die Spitz' in Aubry's Herz.
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Noch warm verscharrt' er Aubry's Leiche,
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Bedeckte den blutrothen Ort
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Mit Erde, Rasen und Gesträuche
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Sorgfältig, und ritt fort.
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Der Hund, fast in den letzten Zügen,
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Bedeckt mit Wunden, blieb
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Auf Aubry's Grabe winselnd liegen,
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Bis Hunger fort ihn trieb.
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Von Aubry's Sippschaft fast vergessen,
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Kam Herkul mager nach Paris;
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Sie gab ihm gern ihr eignes Essen,
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Doch, hastig schlingend, ließ
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Er halb es stehn, und rannte wieder
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In Bondy's finstern Hain,
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Legt' auf der Gruft des Herrn sich nieder,
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Und kratzt' ein Loch hinein.
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So trieb er's lange Zeit. Man spürte
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Des Hundes Fährte nach, und fand
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Tief im Gehölz', wohin sie führte,
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Den Hund auf seinem Stand'.
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Als man die Stelle voll Gesträuche
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Und frisch gegraben sah,
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Grub man sie auf, und Aubry's Leiche
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Man fuhr sie nach Paris. Die Ohren
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Gesenkt, lief Herkul nebenher.
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Schon alle Hoffnung war verloren,
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Der Mörder sey? Da packt, voll Rache,
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Einst Herkul seinen Mann
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Im Kreis der Armbrustschützenwache
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Des Königs, grimmig an.
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Was schlagen konnte, schlug den Treuen,
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Der seines Herren Mörder biß,
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Doch immer faßt' er ihn von neuen,
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Bis man hinweg ihn riß.
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In allen Häusern, allen Gassen,
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Sucht' er den Feind nun auf,
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Und konnt' er ihn nach Wunsch nicht fassen,
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So bellt' er drauf und drauf.
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Dem Adel, der den Hund wohl kannte,
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Schien das verdächtig. Bald erfuhr
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Der König selbst es. Dieser brannte
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Noch näher auf die Spur
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Zu kommen, ließ, umringt von Rittern,
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Den Mörder Aubry's stehn,
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Und dennoch war, heraus ihn wittern,
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In einem Hui! geschehn.
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Und Herkul kündigt mit Gebelle,
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So schlau sich dieser auch verbirgt,
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Den Thäter an. Gleich auf der Stelle
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Hätt' er ihn auch erwürgt,
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Doch Karl gebot, huldvoll und weise,
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»das scheint doch – murrte mancher leise –
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Karl aber zog ihn auf die Seite.
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»gesteht mit Offenherzigkeit,
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Ob Ihr – so glauben alle Leute –
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Nicht Aubry's Mörder seyd?
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Bedenkt! Wenn gar verloren sollte
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Selbst Eure Seele gehn!« –
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Allein aus Furcht vor Strafe, wollte
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Macaire nichts gestehn.
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»nun wohl!« sprach König Karl, »so mache
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Gott selber denn die Wahrheit kund!
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Denn Aubry's Blut schreit laut um Rache
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Durch seinen treuen Hund.
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Drum soll ein Zweikampf zwischen beiden
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Den nächsten Freitag gleich entscheiden,
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Und wenn Ihr schuldig seyd!« –
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Karl drohte mit den Augenbrauen
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Dem Mörder noch, und hieß ihn gehn.
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Die Insel unsrer lieben Frauen,
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Zum Kampfplatz' ausersehn,
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Ward eingefasset mit Staketen,
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Erbaut; der König kam; Trompeten
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Erschallten vom Balkon.
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Macair' erschien; in seiner rechten
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Mit einem Prügel, einen Schild
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In seiner linken; doch zum Fechten
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Hatt' Herkul nichts, der wild
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Um seinen Feind, und um die Keule,
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Die hoch der Bube schwang,
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Mit Zähnefletschen und Geheule
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Herum im Kreise sprang.
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Doch blitzschnell fuhr er zu, und packte
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Den, der verhöhnend vor ihm lief,
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So fest, daß jedes Glied ihm knackte,
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Und daß er angstvoll rief:
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»ach! Gnad'! Ihr sollet alles wissen!
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Reißt nur die Bestie fort!« –
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Und als der Hund war losgerissen,
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Gestand er seinen Mord.
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Welch Drängen, Herkuln liebzukosen!
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»es lebe,« schrien aus Einem Mund'
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Enthusiastisch die Franzosen,
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»der König und der Hund!« –
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So? rief jetzt vom Balkon der König,
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Wohlan! du Schlangenbrut!
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Recht und Gerechtigkeit versöhn' ich
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Nunmehro durch dein Blut.
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Macair' erzittert' und erbleichte;
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Er bat; – umsonst! – Ein Priester führt'
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In einen Winkel ihn zur Beichte,
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Dann ward er absolvirt.
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Jetzt, als er noch sich sträuben wollte,
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Packt' ihn der Henker fest, und band
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Ihn an den Stuhl, und schnappend rollte
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Sein Kopf hin in den Sand.