Was wär', o

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Was wär', o Titel entspricht 1. Vers(1788)

1
Was wär', o
2
Für den gequälten Weisen, wenn die Seele
3
Nicht über der Verwesung Knochenfeld
4
Hinaus oft blickte? Eine Mörderhöhle,
5
Vom matten Strahl' der Hoffnung kaum erhellt.
6
Doch hätte die Religion
7
Wohlthätig nicht zerstreut die dicken Schatten:
8
Willkommen wäre mir die Täuschung schon,
9
Daß unsre Seelen wandern! Denn was hatten
10
Die Weisen sonst für Trost, für Schmerzenlohn?
11
Und, lieber Freund, was wär' es mehr,
12
Wenn ich zuweilen träumte, daß die Seelen
13
Fortwanderten, bis zu dem Endverhör'?
14
Daß
15
Sein Lied uns säng'? O Freund, was wär' es mehr?
16
Wirst du den edlen Hirsch nicht jetzt
17
Bedauren, dich die tolle Wuth nicht kränken,
18
Die ihn zum Scherz' abmartert und zerfetzt?
19
Laß mich ein Thor seyn,
20
Daß man in ihm den Kaiser
21
So oft als meine Augen sahn,
22
Wie an des Fischers Angel sich mit Schmerzen
23
Ein Würmchen krümmte: Balsam war der Wahn
24
Dann immer meinem wundgefreßnen Herzen:
25
Es sey vielleicht ein Höfling wie
26
Welch Thier der Erde hat den Muth
27
Des Rosses? Dennoch muß es jungen Thoren
28
Gehorchen; dennoch stößt ihr Uebermuth
29
In seine Seite scharfgespitzte Sporen;
30
Doch was da fließt, sey eines Mörders Blut.
31
Sieh dieser Wachtel Schmeichelein!
32
Auf meiner Schulter, gleich als wenn sie lange
33
Mich schon gekannt, steht sie auf einem Bein',
34
Und kratzt mir mit dem andern sanft die Wange;
35
Ach! könnt' es nicht mein Sohn, mein
36
Und warum sollt' ich nicht dereinst
37
Als Lerche dann mich in die Lüfte schwingen,
38
Wenn du um mich auf meinem Hügel weinst?
39
Nicht dir auch dann noch süße Lieder singen?
40
Der Wahn ist süß! Still! wenn du's nicht so meinst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.