O du, die so viel Jahre lang

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: O du, die so viel Jahre lang Titel entspricht 1. Vers(1788)

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O du, die so viel Jahre lang
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Mein Nachbar war im Schlaf' und Essen,
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Mit mir den Rhein befuhr, und zu den Feueressen
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Des Donners, auf den
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Verzeihe, daß dich mein Gesang
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Hat undankbar bis jetzt vergessen.
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Ist je aus meinem Kopf' ein Lied,
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Werth der Unsterblichkeit, gekommen,
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So dank' ich's dir allein! Denn die Ideen schwommen
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Verwirrt umher, die Stirne glüht'
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Und dampfte, aber nichts gerieth,
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Bis ich aus dir Rappee genommen.
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Ich mißte, wenn's der Arzt gebot,
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Drei Monat' allen Saft der Reben;
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Wohl könnt' ich ohne ihn, drei ganze Jahre leben,
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Vielleicht drei Tag' auch ohne Brod;
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Doch, ohne dich! – Ich wollt', o Tod!
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Dir lieber beide Hände geben.
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Du, gute Dose, lehrtest mich
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Die Einsamkeit als Jüngling lieben,
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Bei Schwätzern oft Geduld, bei Narren Langmuth üben,
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Mit Fröhlichen mich inniglich
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Erfreuen, mit Betrübten mich
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Noch herzlicher als sonst betrüben.
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Was kaum ein Freund dem andern that,
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Das thatest du. Du hingst wie eine Klette
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An mir; du warst mein Trost, wenn ich im öden Bette
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Den Schlaf vergebens zu mir bat,
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Mein Trost, wenn ich bei Akten spat
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Noch gähnt' und gern geschlummert hätte.
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Werd' ich dereinst zum letztenmal
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Die dürren kalten Hände falten,
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Und über meine Brust in beiden fest dich halten,
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So wird mit Schluchzen mein Gemahl
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Heraus dich brechen, und so kahl
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Dein Rock auch ist, doch gern behalten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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