Laß du dem Britten seinen Wahn und Hohn

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Laß du dem Britten seinen Wahn und Hohn Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Laß du dem Britten seinen Wahn und Hohn,
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Daß er der erstgeborne Sohn
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Der Freiheit sey, wir aber Sklaven!
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Was kümmert sich der Weis' um Fasees und um Thron?
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Für ihn hat kein Gesetz noch Strafen.
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So lang des Landes Satzung ihm gefällt,
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Ist er der erste, der sie hält;
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Was hat er noch zu fürchten? Glücklich leben
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Kannst du, ob über dich den Zepter Einer hält,
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Ob Hundert dir Gesetze geben.
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Doch, kann der Stab der Consuln nicht so schwer,
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Als eines wüthenden Tiber
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Metallner Zepter, auf dich fallen?
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Was ist dir übrig, Freund, als, selbst an Gütern leer,
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Zu einem freiern Volk' zu wallen?
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Denn,
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Als alle Güter dieser Welt,
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Ja selbst als dieses gute Pilgerleben:
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Der ist ein Sklav, wenn gleich Tartaren ihm ein Zelt
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In ihrer freien Horde geben.
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Zu edlen Thaten fühlt er nimmer Muth;
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Ihm ist sein Leben oder Gut
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Der höchste Trieb zum Thun und Unterlassen.
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So billigt denn der Sklav das, was ein Nero thut,
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Und muß August mit Nero hassen.
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Den Pöbel blendet jedes falsche Licht;
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Der Freiheit Name hat Gewicht
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Für ihn; die Freiheit selbst, für Weise.
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Der Schweizer, der so laut zu Hause prahlet, spricht
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Mit seinen Consuln, ach! so leise!
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Er beugt vor ihnen dreimal tiefer sich,
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Als ich vor einem Fürsten mich,
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Und was er ist, das muß er ewig bleiben.
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Wenn du ein
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Nicht auf der Rathsherrn Rolle schreiben.
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Den Prunk mit Sina's Vasen, mit Kristall
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Aus Böhmen, und den ganzen Schwall
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Von Frankreichs Moden, mag der Staat mir wehren.
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Stört das des Weisen Glück: so muß sich überall
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Sein Freiheits-Sinn in ihm empören.
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Laß auch den Staat der Russen Kaviar,
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Und Holsteins Austern, ja sogar
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Den edlen Most vom Rhingau selbst, vertheuren;
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Der Freundschaft Feste werd' ich dennoch, Freund, ob zwar
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Mit etwas kleinern Bechern feiren.
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Doch wenn er auf der Bahn der Ehre, Stein
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Auf Steine häufte, aus dem Hain'
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Der Wahrheit, uns zum Nichtstuhl' zöge,
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Und Wahrheit strafte: dann würd' ich der erste seyn,
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Der nackt nach

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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