Auch ich, o Freund, hab' auf dem Lande mir

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Auch ich, o Freund, hab' auf dem Lande mir Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Auch ich, o Freund, hab' auf dem Lande mir
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Mit meinem letzten Deut ein kleines Ohnesorge
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Zurecht gebaut. Mein Leben gleichet hier
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So ziemlich meiner Nachbarin, der
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Zwar kennt man ihren Namen schon nicht mehr,
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Betritt ein Wanderer nur Schwarzburgs nahe Grenzen,
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Zwar drückt kein Schiff mit Kaufmannsgut sie schwer,
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Zwar sieht man kaum im Mondenschein' sie glänzen.
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Auch geht nur der an ihren Kieselstrand,
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Wer sanftes Rauschen liebt von felsenvoller Welle,
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Und Freud' am Spiel' mit ihren Kindern fand,
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Dem trägen Krebs, der lustigen Forelle.
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Doch wuchs durch sie schon manche Weide groß,
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Und gab dem armen Lamm' im Pelze, kühlen Schatten;
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Und Wiesen trugen Klee durch sie, die Moos
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Und Disteln sonst und Dorn getragen hatten.
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So weiß von mir kein Wort die nächste Stadt,
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So drückt nicht Lein und Korn und Wolle meine Speicher,
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Und die zu Bettlern viel' gestickt schon hat,
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Doch mancher Jüngling scheut durch mich den Schlag
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Des Stärkern nicht, mit ihm für Unschuld Kampf zu wagen;
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Und liegt, durch mich, nicht da, wo
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Itzt
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O flösse doch mein Leben ganz die Stadt,
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Der
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Bis alles Irren hier ein Ende hat,
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Von den Socraten glücklich nur gepriesen!
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Dann – – Aber halt! du steigst zu hoch empor!
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Zurück du kühner Wunsch! du darfst noch nicht entfliegen.
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Denn wäre nicht selbst Socrates ein Thor,
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Daß er nicht lebte, bloß für sein Vergnügen?
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Athen mit Achselzucken nicht verließ,
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Wo ihn die Schlangen der Verläumdung rund umzischten?
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Den Söhnen noch den Werth der Tugend prieß,
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Indeß schon Gift die Väter für ihn mischten?
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Wohlan! Auch ich will unter Menschen alt,
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Im Kleinen, Socrates, und grau mit Ehren werden.
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Dann aber hin, wo die Schalmey erschallt!
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Hinaus zu den friedsamen Lämmerherden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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