Der Ruhm ist nur ein schöner Traum!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Der Ruhm ist nur ein schöner Traum! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Der Ruhm ist nur ein schöner Traum!
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Wenn du ihn träumest, wird er kaum
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Die Müdigkeit am Morgen lohnen.
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Der Ruhm ist ein verzognes Kind,
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Es närrt den Vater zwar, doch ist der Vater blind,
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Und spielt mit ihm – um bunte Bohnen.
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Für diesen Sohn hat Tag und Nacht
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Dein Herz gesorgt, dein Kopf gewacht,
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Ihn groß zu ziehn; itzt muß er wandern.
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Ha! wie dein Busen steigt und fällt,
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Ob ihn ein Gönner küßt, ein Räuber Netze stellt!
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Was habt ihr Einer von dem Andern?
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Wie wenig strahlt von seinem Glück'
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Aus weiter Fern' auf dich zurück!
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Selbst deinem Nachbar wird nicht träumen,
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Daß, fern von dir, ein Sohn noch lebt,
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Den, wenn sein Nam' auch dir nicht auf der Lippe schwebt,
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Doch alle Reimer baß bereimen!
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Ist Ruhm allein der Preis am Ziel',
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So ist es etwas, doch nicht viel;
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Denn, wenn ein Jüngling ihn
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So wahrt den Beutel! Hütet Euch,
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Daß unter Einem Dach' Ihr nie mit ihm zugleich
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Ohn' Euren Degen übernachtet.
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Doch, übersteh' der Künstler Pest,
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Und halt', als Mann, den Proteus fest:
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Vorüber ist die Schäferstunde!
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Mehr als das Ganze, war auch hier
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Die Hälfte. So erlischt der Durst nach Wein in dir
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Am ersten vor des Fasses Spunde.
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Wie? Ist denn alles Unbestand?
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Und ringt der Weise nur, für Tand
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Den Kranz zu achten, der die Scheitel
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Nach langem saurem Kampfe schmückt?
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Kaum hat er noch auf ihn mit Lächeln hingeblickt:
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Itzt seufzt er schon: Auch du bist eitel!
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Wenn Ruhm auch eitel ist: wohlan!
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Was spornt zu schweren Kämpfen an?
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Das Gold? – Wirst du den Kämpfer schätzen,
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Wenn gleich auch seine große That?
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Und ihn dem Manne, Freund, der arm denselben Pfad
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Aus Tugend ging, zur Seite setzen?
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Was von der Zeit als Eigenthum
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Uns übrig ist, soll nicht dem Ruhm',
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Nicht Peru's Minen angehören.
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Des Bechers Klang soll selten nur,
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Doch öftrer das Geschwätz des Bachs der Hirtenflur,
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Uns, Kämpfer für die Zukunft! stören.
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Kein Panzer dünk' uns noch zu schwer,
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Zu tief kein Stand, zu lang kein Speer,
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Den süßen Dank davon zu tragen!
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Doch thut es, Freund, nicht immer Roth,
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So lang kein offner Helm mit einer Fehde droht,
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Gleich das Visir zurückzuschlagen.
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Wer mißt sich kühn mit diesem Glück',
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Wenn alle Thaten unserm Blick'
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Einst sterbend noch vorüber gehen?
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Sie bleiben hier, und wirken fort,
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Sind wir gleich längstens Staub! Und o! wir werden dort
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Mit schärferm Blick' die Folge sehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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