Oft setz' ich mich auf deine Berge hin

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Oft setz' ich mich auf deine Berge hin Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Oft setz' ich mich auf deine Berge hin,
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Und wühle mit dem Aug' in deinen Schätzen,
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Und lasse sich mein Herz an dem Bewußtseyn letzen,
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Daß ich genügsam bin.
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Daß ich den braunen Kohl und Kopfsalat,
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Die meine Schüssel füllen, selbst mir baute;
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Daß ich den Himmel nie bei Butterbrod und Raute
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Um etwas mehr noch bat.
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Daß von dem Saft', der Rhingaus Trauben schwillt,
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Auch mir die Winzer ein paar Flaschen preßten,
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Doch ich den Becher nur damit bei Freundschaftsfesten,
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Und nie für mich gefüllt.
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Daß man für mich noch keinen Strauß erschlug,
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Daß, wenn sich von den Herden, die dort weiden,
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Ein Berg von Wolle thürmt, um mich nach Wunsch zu kleiden,
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Drei Schafe sind genug.
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Für dieses Beet voll Kohl, dieß Fäßchen Wein,
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Und diese Handvoll Wolle, schlicht' ich bieder
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Der Menschen Händel, bin ein Sänger froher Lieder,
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Und karg nur mir allein.
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O die du meinen Lebensfaden sponnst!
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Gib, bis er in die Gruft sich einst verlieret,
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Mir nur das wenige, was mir als Lohn gebühret:
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Denn ich mag nichts umsonst!
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Und bin ich einst zu kraftlos für mein Joch,
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Nur da noch, um zu essen: o so spanne
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Mich aus! und schenke mir im Harz' die kleinste Tanne
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Zu einem Sarge noch!
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Ich will den Bruch um keinen Marmorstein
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Vermindern. Weg, du Thor, von meinem Grabe,
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Der keinen Armen fragt, ob er auch Hunger habe?
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Und mir will Urnen weihn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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