Die allgemeine Leidenschaft

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Die allgemeine Leidenschaft Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Die allgemeine Leidenschaft
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Ist nicht der Ruhm!
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Zum mindsten nicht. Denn ach! der Deutsche rafft
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Nach Golde nur. Was kümmert ihn die Schande?
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Was thut der Deutsche nicht für Geld! –
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Ein schöner Ruhm! Ein Sprichwort aller Zonen!
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Wie? bauet er, dem Britten gleich, sein Feld?
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Und nährt es schon zu viele Millionen?
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Muß darum sich dein schlanker Sohn,
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Klopffechtern gleich, für einen Fremdling raufen?
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Und ach! zu eines stolzern Volkes Hohn,
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Sein tapfres Blut für theures Brod verkaufen?
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Bist du, Germanien, so karg
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Wohl darum schon mit deinem weiten Boden,
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Daß du dem Juden, kaum für seinen Sarg
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Vergönnest, nur ein Plätzchen umzuroden?
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Mußt darum du zum Wolgastrand'
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Und Vandaliciens
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Die Kinder mit stiefmütterlicher Hand
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Fortpeitschen, und der Mutter Haus veröden?
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O nein! So viel auch ihrer sind,
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Du hättest Platz für alle deine Kinder.
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Der Aberglaube macht' einst Frankreich blind,
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Dich aber macht der Golddurst dreimal blinder.
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Zwar schwimmt dein Schiff ins fernste Meer,
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Dein Wagen fährt zu Pohlen und zu Ungern;
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Doch macht Ein Mißwachs deine Speicher leer,
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So muß zu Haus dein eignes Kind verhungern.
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Bist du wohl klüger, als der Geitz,
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Der traurig darbt bei angefüllten Kasten?
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Wann durfte deine ärmre Schwester selbst, die Schweitz,
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Auch ohne Frankreichs Gold, noch jemals fasten?
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Wenn dem, der in der Sonne brennt,
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Um deinen Boden mühsam umzupflügen,
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Dein Geitz kaum einen Labetrunk noch gönnt:
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Wie können noch sich deine Speicher biegen?
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Bist du so reich: wo ist dein Gold?
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Wo baust du neue Brücken itzt? Wo sagen
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Die Steine schon die Stunden uns? Wo rollt
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Auf Straßen neuer Appier der Wagen?
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Wenn du dich Rom zu seyn erkühnst:
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Worin bist du wohl Rom schon gleich geworden?
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Du hast ja nicht einmal für das Verdienst
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Ruhm bringender Plebejer, einen Orden?
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Und ahmst du ja den Schwestern nach,
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Und forderst den Erfinder auf zu Wachen:
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O so bezahlst du ihm sein Oel, doch ach!
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Um ihn berühmt, dich lächerlich zu machen.
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Germanien! was könntest du
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Nicht thun und werden! Sönnen die Magnaten,
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Die immer sinnen, was geradezu
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Die Kasten füllt, auf edle, große Thaten!
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Und pflanzten Menschen in ihr Land,
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Statt Menschen wie das Unkraut auszujäten,
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Und richteten mit väterlicher Hand
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Den Pflüger auf, statt nieder ihn zu treten.
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Und spotteten, wie
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Im Ueberrock' des Prunks der Sybariten,
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Und – schwer, doch groß! – geböten über sich,
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Um weiser über Andre zu gebieten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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