Ich bin doch wohl ein rechter Thor

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Ich bin doch wohl ein rechter Thor Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Ich bin doch wohl ein rechter Thor,
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Was auffällt, so zu meiden!
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Mich nicht durch irgend etwas, vor
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Der Welt zu unterscheiden,
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So schlecht und recht, fast wie ein Tropf,
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Der Nase nachzuschleichen,
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Und jedem, wenn's mit seinem Kopf'
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Nur richtig ist, zu gleichen.
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Gebt aber Acht! Man soll, im Fall'
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Mir Witz und Glück nicht fehlen,
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In kurzer Zeit wohl überall
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So viel von mir erzählen,
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Daß Fremde, zwanzig Meilen weit,
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Mit Wagen und mit Pferden,
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Um mich zu sehn, mich Seltenheit,
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Nach
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Wer wird dann Schachte noch besehn?
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Wer Hütten? Keine Seele!
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Verödet wird der Brocken stehn,
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Und leer die Baumannshöhle.
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Wer mich sah liegen, stehn und gehn,
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(zeigt das mein Bild von
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Der hat fürwahr genug gesehn,
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Und fühlet stracks sich weiser.
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Denn alle Schnellkraft der Genies
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Will ich in mir vereinen;
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Was
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Will ich verschrein, verneinen;
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Was
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Laut preisen, grob bejahen,
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Und kurz,
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Und morgen
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Die Sprach' – kommt mir ein Drang, ein' Grill' –
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Verhunzen werd', verdrehen,
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Soll, traun! schier der 's verstehn mir will,
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Gleich'n Hahn nach'm Morg'nlicht krähen.
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Und wäre noch die Eselin
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Von Bileam am Leben:
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Schrein sollte sie: J-A! darin
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Ist Kraft und Drang und Streben!
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Ich nehme, wenn's die Obrigkeit
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Erlauben will, zwei Frauen,
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Und lasse der Empfindsamkeit
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Capell' und Altar bauen.
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Zum Priester wird sich, wie bekannt,
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Herr
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Dem laß ich denn ein Meßgewand
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Von Gold und Perlen sticken.
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Doch, ich Patronus, merkt das wohl!
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Geh' im zerrißnen Kittel,
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Hab' aber alle Taschen voll
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Yorikischer Capittel.
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Doch laß ich, wenn mir's Kurzweil schafft,
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Die Hülfe fleh'nden Armen,
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Durch meinen Schweitzer,
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Zerprügeln oh'n Erbarmen.
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Scheint eine Physiognomie
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Mir neu von Bau und Falten,
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So frag' ich nicht: »Herr! wollen Sie?«
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Bis
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Gesicht mir lasse kommen,
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Den sonderbaren Schattenriß
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Für mich hat aufgenommen.
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Fällt mir es ein, so kann ich ja
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Wohl auch nach Hofe gehen;
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In aller Absicht werd' ich da
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Mich gar nicht übel stehen;
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Denn Bischoff und Champagner Wein
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Kann ich wie Wasser saufen,
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Und, werfen Nachts wir Fenster ein,
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Gewiß am schnellsten laufen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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