Ließ' ein hartes Mädchen mich

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Ließ' ein hartes Mädchen mich Titel entspricht 1. Vers(1788)

1
Ließ' ein hartes Mädchen mich
2
Auch ein Jahr und länger schmachten,
3
Ohn' auf meine Pein zu achten,
4
Dennoch würde sicherlich
5
Sie mich endlich wieder lieben,
6
Oder – Stolz und Kälte trieben
7
Weg von ihr, und heilten mich.
8
Aber ach! Natur! nach dir
9
Brennet Tag und Nacht vergebens
10
Zwanzig Jahre meines Lebens
11
Sehnsucht schon im Herzen mir.
12
Läg' ich Armer nicht an Ketten;
13
Himmel! meine Füße hätten
14
Längst sich wund gesucht nach dir!
15
Dennoch, wenn's auch länger währt,
16
Will ich gern geduldig schmachten.
17
Ach! dein kleinstes Werk betrachten,
18
Ist allein des Kummers werth,
19
Daß von deinen Meisterstücken,
20
Die im Traum' mich oft entzücken,
21
Dein Verlaßner nichts erfährt.
22
Unbemerkt und unbekannt,
23
Brod in einer Jägertasche,
24
Milch in dieser Kürbisflasche,
25
Diesen Stab in meiner Hand,
26
Wollt' ich, gleich dem schönsten Weisen,
27
Froh die halbe Welt durchreisen,
28
Bis ich fände, was er fand.
29
Würde mir wohl so gemach
30
Dieses Herz im Busen schlagen,
31
Folgte gleich ein Küchenwagen,
32
Und des Landes Gold mir nach?
33
Aber auch der Spott der Ritter,
34
Das Geheul verarmter Mütter,
35
Und der Bauren leises Ach!
36
Zwar es würde dann vor mir
37
Sich kein Spiel am Thore rühren,
38
Keine Wache präsentiren,
39
Und kein Horn die Neubegier
40
Der geschminkten bleichen Docken
41
Haus für Haus ans Fenster locken,
42
Um zu schaun das Wunderthier.
43
Zwar der Gastwirth schösse nie
44
Auf mich zu, gleich einem Blitze,
45
Unterm Arm' die Sammetmütze,
46
Und das Haupt gebückt aufs Knie,
47
Um den Schlag an meinem Wagen
48
Aufzureißen, und zu fragen:
49
»gnädger Herr! befehlen Sie?«
50
Weder ein Heyduck noch Mohr
51
Fragte je nach meinem Namen;
52
Durch Lorgnetten sähn die Damen
53
Nicht nach meiner Log' empor;
54
Niemand bäte mich zum Schmause,
55
Und vor meines Wirthes Hause
56
Führen keine Kutschen vor.
57
Die Gelehrten – o wie gern
58
Wollt' ich, um ihr Herz zu werben,
59
Wenigen nur Zeit verderben;
60
Denn die Weisheit dieser Herrn
61
Ist fast immer eitles Prahlen,
62
Leeres Klappern mit den Schaalen!
63
Denn wer sucht und schmeckt den Kern?
64
Traurig würd' ich, o Natur!
65
Meinen Stab nur weiter setzen,
66
War' ich deiner Schwester Schätzen
67
Irgendwo schon auf der Spur,
68
Und mir fehlt' es dann an Golde!
69
Denn die Kunst nicht, du, o Holde!
70
Zeigst umsonst die deinen nur.
71
Laß mich deine Schilderein
72
Nur beschauen, und vor allen
73
Erdefreuden, nach Gefallen,
74
Deiner guten Menschen freun!
75
Dann mag zu Florenz die schöne
76
Venus Anadyomene
77
Meinethalb verschlossen seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.