Verirret auf der Jagd, von seinen Leuten

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Verirret auf der Jagd, von seinen Leuten Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Verirret auf der Jagd, von seinen Leuten
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Ganz abgekommen, traf der Fürst zum Glück'
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Noch einen Bauer an, und ließ von ihm zurück
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Sich durch den Wald bis an das Feld geleiten.
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Der Fürst, der ihn bald dieß, bald das
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Von seinem Dorf' und seinem Amtmann' fragte,
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Wollt' endlich auch noch hören, was
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Wohl Kasper von ihm selber sagte?
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I! sprach der Bauer, der ist zwar
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Noch gut genug, doch an der Fürstin fände
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Der Teufel selbst kein gutes Haar;
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Bei der hat, wie man hört, das Fodern gar kein Ende.
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Das Urtheil war zum Glück' nicht wahr,
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Drum lächelte der Fürst, und drückte
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Dem Kritiker ein Goldstück in die Hand,
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Als er von fern das nächste Dorf erblickte,
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Wohin der Weg von selbst sich fand.
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Nach ein paar Tagen aber schickte
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Der Fürst nach Kaspern. Dieser kam.
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Als er ins Zimmer trat, erstickte
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Sein Herz beinah vor Furcht und Scham.
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Doch Kaspers Angst verlor sich nach gerade,
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Denn wie es schien, kannt' ihn der Fürst nicht mehr,
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Auch gab er mit gewohnter Gnade
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Dem allem, was Hans Kasper sprach, Gehör.
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Jetzt trat die Fürstin auch herein;
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»gut, daß du kommst! denn eben fiel mir ein,
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Was ich dich gestern wollte fragen:
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Ob du schon weist, wie ungemein
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Viel Gut's von dir die Leute sagen?«
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Nun? – »Ei! kein gutes Haar soll an dir seyn!
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Man sagt, du könntest nichts, als Fodern und Verschenken!«
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Und wer hat das gesagt? den laß doch heut noch henken!
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»hier steht er selbst. – – Es fällt dir doch noch ein,
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Hans! daß du jüngst so was im Wald' bei
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Zu einem Reiter sprachst?«
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Ja! doch wie konnt' ich denken,
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Der Schelm würd' ein Verräther seyn,
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Zu dem ich's sagte?
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Ha! der Schelm ist dein!
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Fiel die Gemahlin lachend ein,
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Nun magst du ihm die Strafe schenken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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