Selten nur hab' ich von dir im langen Leben gesprochen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Selten nur hab' ich von dir im langen Leben gesprochen Titel entspricht 1. Vers(1788)

1
Selten nur hab' ich von dir im langen Leben gesprochen,
2
Denn der Geweiheten sind überall wenige nur.
3
Jetzt laß zu dir selbst zum letzten male mich reden,
4
Ehe die Stimme mir noch röchelnd im Munde erstirbt.
5
Liebt' ich dich nicht schon als halb erwachsener Knabe
6
Mehr als Ball und Roß, mehr als der Jagden Hallo?
7
Ich erinnre mich nicht, daß mehr mich etwas entzückte;
8
Außer mein Mädchen allein, und der erprobete Freund.
9
Unser Bund war doch der treuesten einer auf Erden!
10
Nicht der Durst nach Gold, nicht die Begierde nach Macht,
11
Nicht ein glänzender Hof, nicht freundliche Worte der Fürsten,
12
Nicht der Geschäfte Gewicht, konnten dich trennen von mir.
13
Aber du hast mir auch die Treue reichlich belohnet:
14
Freuden, wie du sie gewährst, schenkten die Fürsten mir nicht.
15
Ein so zartes Gefühl, wie du im Herzen gebierest,
16
Ruhe, wie du sie verleihst, kaufte noch keiner für Gold.
17
Und was kann denn sonst der Mensch auf Erden sich wünschen?
18
Ist auch dieß nicht Glück: Wahrlich! so gibet es keins.

19
Meine Liebe zu dir erzeugte die Liebe zur Weisheit,
20
Und den dornigten Pfad hat sie mit Rosen bestreut.
21
Hätte kein Glücklicher noch auf Erden gewandelt, so müßt' ich
22
Als den ersten mich preisen am Ende der Bahn.
23
Freilich hab' auch ich geseufzt und Thränen vergossen,
24
Denn der Tod hat mir Freund' und Geliebte entführt.
25
Zweimal stand ich selbst, doch ruhig, am Thore des Todes,
26
Denn ich wußt', auch dort fänd' ich sie wieder, und dich.
27
Fünfmal drohete mir Verlust des Lichtes der Augen.
28
Kannst du durch Gesang
29
Wenn du erblindest, vergißt dieß sich bei ihrem Gesang'!
30
So, du schönste der schönen Künste, so hast du
31
Mich getröstet, und oft Schmerzen vertrieben und Furcht.

32
Zwar der Gallier nahm die Hälfte meines Vermögens,
33
Und – das köstlichste mir! auch meiner Ruhe sogar.
34
Doch auch da hast du mich Traurenden nimmer verlassen,
35
Durch die Harfe
36
Wog ich Leben und Tod mit der Unsterblichkeit Wage,
37
O wie dünkte mich dann leben und sterben so leicht!
38
Lärmt' im unteren Stock' bei meinem Weine der Franzmann,
39
Hatt' ich im oberen nur Ohren für deinen Gesang.
40
In der wirklichen Welt war nirgend mehr Freude zu finden,
41
Vor Napoleon war sie in die Wüste geflohn.
42
In die Welt der Ideale versetzet auf deinen
43
Flügeln, vergaß ich es bald, daß ich auf Erden noch war.

44
Daß ich in dreißig Jahren nicht dreißig Opfer dir brachte,
45
Sey dir ein Beweis meiner Verehrung für dich.
46
Was ich zu geben vermochte, war deiner und meiner nicht würdig,
47
Mindestens weniger noch als was ich brachte zuvor.
48
Endlich sind zwar Zeit und Wille wiedergekehret,
49
Doch als schwacher Greis kann ich nichts geben, als Dank.
50
Könnt' ich noch einmal zum jungen Manne mich machen,
51
Wär's allein, um dir bessere Opfer zu weihn.
52
Nichts kann, außer dir, die Mühe zu leben belohnen,
53
Als nur die Natur, eine Geliebte, ein Freund.
54
Doch sie alle, auch dich, werd' ich in Kurzem verschönert
55
Wiederfinden; von dir trenn' ich mich aber zuletzt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.