Kehret zum Greise zurück, schuldlose Freuden der Kindheit!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Kehret zum Greise zurück, schuldlose Freuden der Kindheit! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Kehret zum Greise zurück, schuldlose Freuden der Kindheit!
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Vor den Freuden der Welt ekelte lange mich schon.
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Andern befehlen, und mit zu regieren: das suchen die Meisten;
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Nicht, zu beglücken den Staat, nein! zu beglücken sich selbst.
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Ich auch habe regiert, und tausend andern befohlen,
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Strenge nur gegen mich selbst, folgten sie alle mir gern.
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Dennoch beneidet' ich den, der, gleich dem zufriedenen
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Keine Befehle empfängt, keine Befehle ertheilt;
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Nicht, um zu leben, studirt, nein! um zu studiren nur lebet,
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Und mit jedem Tag' weiser und fröhlicher wird;
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Nicht auf höchsten Befehl, als trieben die Musen ein Handwerk,
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Wenn sein Geist zum Wirken ihn treibt, nicht achtet des Schweißes,
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Seinen Eifer erpreßt ja kein Minister-Gebot.
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Wenn zum süßen Müßiggang' ihn Erschlaffung ermahnet,
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Nichts zu versäumen besorgt, keine Verantwortung scheut,
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Um das Schlagen der Uhr ganz unbekümmert, dem Sange
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Einer Nachtigall horcht, oder dem Murmeln des Bachs.
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Einen Schwätzer nicht hört, die Stolzen vermeidet, vom Thoren
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Weg sich wendet; denn dieß schadet ihm alles ja nicht.
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Ach! du Glücklicher! hast nichts mit den Menschen zu theilen!
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Du bist keinem im Weg', aber auch keiner dir selbst.
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Wenn man Achtung und Liebe dir zollet mit freundlicher Miene,
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Dann so weist du, es gilt alles dem Menschen allein.
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Denn du sitzest nicht mit im Rath' der Gewaltigen, hältst dich
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Gern vom Quelle der Macht, Ehren und Schätze zurück;
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Niemanden locket zu dir der Dampf von Trüffelpasteten,
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Der Pokale Klang, oder der Walzer Geräusch.
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Dir, o Glücklicher! gleich, zum mindesten ähnlich zu werden,
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(lange mein heißester Wunsch, endlich zur Hälfte erfüllt!)
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Trat ich von selbst von einer der höheren Stufen am Throne
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In das Dunkle zurück; wenige wissen, wohin.
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Aermer stieg ich hinab, als ich die Stufen hinan stieg,
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Und doch dünkt mich, so reich war ich noch nimmer zuvor.

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Kehret nun wieder zurück, schuldlose Freuden der Kindheit!
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Denn ihr findet das Herz, euch zu empfangen, bereit.
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Kommt, ihr Tauben! und klopft wie sonst mit dem Schnabel ans Fenster,
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Picket aus meiner Hand goldgelbe Körner, wie sonst.
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Ihr, ihr Sprossen vom Stamm' der Sänger kanarischer Inseln,
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Hüpfet und singet, und liebt, brütet und pfleget die Brut.
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Wohnet ihr doch mit mir im nemlichen ruhigen Zimmer;
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Keiner soll hinfort eurer noch pflegen, als ich.
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Zupfen will ich die weichsten Fäden zu euren Nestern; o hättet
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Ihr der Bedürfnisse doch wenigstens doppelt so viel!

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Kümmert, ihr Rosen, ihr Hyacinthen, Syringen und Tulpen,
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Um den Kalender euch nicht. Schneyet und frieret es gleich,
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Kommt nur dennoch hervor, denn hier im Zimmer ist Sommer;
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Zwiefach verdienet ihr Dank, wenn ihr dem Rufe jetzt folgt;
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Denn wer weiß, ob nicht mit euren späteren Schwestern
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Schon meine Urne vielleicht Liebe im Lenze bekränzt.

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Doch mit dem Bilde hinweg, das meine Freunde nicht lieben!
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Kommt, ihr Enkel, ihr gebt allem ein lachendes Bild.
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Lasset uns sehen, wer mehr der Kegel werfe, wer öfter
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Seines Bogens Pfeil nahe dem Mittelpunkt' schnellt;
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Wer mit der sichersten Hand das Meisenkästchen wird stellen,
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Oder den Maulwurf dort, leisesten Trittes beschleicht.

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Kehret ihr so zurück, schuldlose Freuden dir Kindheit,
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Glücklicher wär' ich ja fast, als ich es jemals noch war.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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