Sage, was klapperst du denn auf deinem Neste, und rufest

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Sage, was klapperst du denn auf deinem Neste, und rufest Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Sage, was klapperst du denn auf deinem Neste, und rufest,
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(was du sonst nicht thatst,) Gattin und Kinder herbei?
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Sind dir etwa so früh zu kalt die Nächte geworden,
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Und du sehnest dich schon hin in das wärmere Land,
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Wo der Bach das Eis, den Reif die Weyde nicht kennet,
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Wo noch Niemand sah fallen die Flocken des Schnees?
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Wenn wir gern dich auch als Hausgenossen behielten,
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Wenn die Köchin gleich, weil du vor Feuer das Haus
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Schützest, mit manchem Hecht' verstohlen dich würde bewirthen,
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Dennoch verdenk' ich dir nicht, daß du verlässest die Flur,
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Die seit deiner Geburt dich jeden Sommer zurückzog,
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Nun der Gallier hier leider! die Frösche dir stiehlt.
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Tröste dich, Storch! mit mir; du siehest, er raubet mir alles;
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Gold und Silber und Wein, Ruhe und Lebensgenuß.
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»was du hast, gib her, und was du nicht hast, das schaffe!«
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Dieß ist, wenn er erwacht, Morgens sein höflichster Gruß.
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Hätt' ich Flügel wie du, so flög' ich nach Albions Insel,
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Die der Gallier nie, was er auch prahlet, erreicht
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Hätt' ich Kräfte wie sonst, der vorderste wäre mein Säbel,
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Hoch in die Lüfte gezückt, niederzuhauen die Brut.
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Ach! du ziehest davon, doch ich, ich Armer, muß bleiben. –
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An dem Ufer des Nils hauset kein Gallier mehr,
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Seines Gewehres Knall wird dich am Delta nicht schrecken,
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Seine Knochen allein findest du modernd im Sumpf'.

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Lebe denn wohl, o Storch! Ich wünsche dir glückliche Reise!
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Aber warte! Noch Eins! Sieh! meine Enkelin winkt,
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Bindet ihr Halsband los, und will am Fuße dich zeichnen,
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Daß sie dich, kehrst du zurück, wieder erkenne daran.
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Sie, noch ohne Gespielin, allein, sie bittet dich freundlich,
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Bring' ihr im Schnabel doch ja dann ein Schwesterchen mit.
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Sollst dagegen, wie sonst, Herr seyn der Frösche. Entweder
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Findest du mich nicht mehr, oder den Gallier nicht.
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Aber ich hoff', o Storch! wir sehen uns wieder im Frühling',
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Wer kann zweifeln am Sieg', kennet er

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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