Tausenden, (und auch mir!) hat er das Leben verlängert

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Tausenden, (und auch mir!) hat er das Leben verlängert Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Tausenden, (und auch mir!) hat er das Leben verlängert,
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Nur das seinige hat leider! sein Eifer verkürzt.
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Und doch hätt' er so gern sich länger des Lebens gefreuet;
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Aber federleicht wog es ihm gegen die Pflicht.

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Lauschend mit spähendem Blick', erforscht' an der dunkelen Werkstatt
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Der Natur, sein Geist ihre verheimlichte Kraft.
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Hofft' er, irgend den Kreis des menschlichen Wissens und Wohlseyns
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Noch erweitert zu sehn, um eine Linie nur:
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Wie erheiterte sich sein Auge! Wie freut' er der Nachwelt
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Glückes, sich im voraus, gleich als genöß' er es selbst.

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Eine Gattin war sein, mit immer noch blühenden Reitzen,
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Hatte der Lenze sie gleich zwanzig schon mit ihm verlebt.
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Doch es konnt' ihr Reitz im ersten Frühlinge schwinden,
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Klein war dieser Verlust, blieb ihr der schönere Geist,
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Blieb der zarte Scherz nur immer in ihrem Gefolge,
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Und lebendig der Wunsch, heiter den Gatten zu sehn,
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Und der bescheidene Sinn, der alle Tugenden hebet,
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Wie der Puder den Grund einer Aurikel verschönt.

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Welch ein liebender Kreis von weisen Freunden umgab ihn!
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Jeder schätzte den Arzt, Denker und Spötter in ihm;
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Aber alle noch mehr den Mann, deß Leben ein Einklang
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Süßerer Töne war, als sie die Stoa noch gab.
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Gleich den Weisen Athens liebt' er die fröhlichen Zirkel;
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Seine Sorgen allein blieben im Herzen versteckt;
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Alles opfert' er sonst auf dem Altare der Freundschaft,
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Seinen Witz und Wein, seine Erfahrungen gern.
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Von den Pfeilen, geschnellt von fremden Bogen, ging keiner
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Je verloren für ihn; wie er behende sie fing!
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Und wie schickt' er sie oft, bei lächelndem Munde, mit Rosen
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Ihre Spitzen besteckt, hurtig dem Schützen zurück!

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Und so glich sein Lebensgenuß den schlängelnden Gängen
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Eines englischen Parks, ja! noch verdoppelt sogar!
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Denn die Armuth hatt' am kalten eisernen Arme
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Ihn in früherer Zeit rauhere Pfade geführt.
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Ach! drum hätt' er so gern sich länger des Lebens gefreuet,
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Aber federleicht wog es ihm gegen die Pflicht,
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Und so verließ er uns früh! Ihn tadlen möchte die Freundschaft,
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Nur die Bewunderung hält jeglichen Tadel zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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