Der Engel, der mit leichtem Flug'

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Der Engel, der mit leichtem Flug' Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Der Engel, der mit leichtem Flug'
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Die Fackel seines schönen Lebens
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Helleuchtend sonst voran vor einem
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Kehrt rasch mit einem mal sie um,
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Und das Erstaunen fragt vergebens:
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Warum so früh, o Gott! warum?
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Zu kühn ist zwar schon diese Frage,
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Und nur der unersetzliche Verlust
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Macht sie verzeihlich; doch der Klage
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Bleibt's wohl erlaubt, daß sie sich vor die Brust,
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An eines
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So vielen Witz, so viel Verstand,
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Als wir in ihm verloren haben,
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Kann selten, selten nur ein Land
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In einem einz'gen Mann begraben.
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Denn Einer Kunst nur Meister seyn,
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So viel das ist, war dennoch ihm zu wenig,
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Und schritt er in ein neues Feld hinein:
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Erobert ward es ganz, und er darin der König.
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Hat er nicht oft in zwanzig Mauren
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Die Abende dem Volk' durch Spott verkürzt?
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Und das Vergnügen, Unschuld zu bedauren,
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Mit süßen Thränen ihm gewürzt?
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Doch alles das heißt halb den Mann nur kennen.
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Ach! wer ihn selbst, wie ich, gekannt,
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Ihn, den wir kaum den Engeln gönnen,
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Der fühlet, nun er uns entschwand,
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Im Auge heiße Thränen brennen.
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So heiter, und so offen, und so bieder,
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Wie ihn mein Auge hier im Bilde noch erblickt,
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War auch sein Herz. Ach! nie seh' ich ihn wieder!
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Auf immer ist er mir entrückt!
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Wenn noch zuletzt mit einem Lorbeerkranze
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Die Dankbarkeit den Sarg des Dichters schmückt,
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So ist das mehr, als wenn bei Kerzenglanze
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Die Eitelkeit mit ihrem Firlefanze
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Des Menschenquälers Leiche drückt.
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Wann tausend Fürsten längst vergessen,
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Mit sammt dem sammtnen Sarg' voll Schilder und voll Tressen,
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In ihrem eignen Lande sind,
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Und nach der Zeit ein Sandkorn nur hernieder
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Aus ihrem Stundenglase rinnt,
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Schallt
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Wohl dir, daß dort in glücklichern Gefilden,
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Als die du hier durchwandelt hast,
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Du ruhig deinen Geist kannst bilden,
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Befreiet von des Körpers Last,
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Befreiet von den heuchelnden Zeloten,
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Die, Sanftmuth lehrten, und voll Wuth,
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Als wärest du der Hölle Brut,
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Dir mit dem Scheiterhaufen drohten;
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Die uns als Pflicht die Demuth priesen,
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Und mit Schulmeisters Stolze doch
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Zurecht dich Polyhistor wiesen,
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Als wärst du ein Quintaner noch.
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Wie wird dir nicht bei den Platonen
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Und Sophokles, so wohl itzt seyn!
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Indeß pedantische Dämonen
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Hier wie die Gassenbuben schreyn.
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Sie alle rufen ihre Waare,
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Angeblich Wahrheit, Haus für Haus,
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Zum Kauf' mit Lobpreisungen aus,
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Doch die bischöfliche Thiare,
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Nicht Wahrheit, ist im Spiel' ihr Daus.
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Dich ekelte des widerlichen Schalles,
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Doch warst du nicht von Jesu Christ,
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Von
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Dir war die Wahrheit alles, alles!
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Jetzt weißt du endlich, was sie ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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