So willst du fern noch hold dem Herzen seyn

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: So willst du fern noch hold dem Herzen seyn Titel entspricht 1. Vers(1788)

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So willst du fern noch hold dem Herzen seyn,
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Das ehemals dein ganzes Herz besessen?
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Wie viel, wie viel, wird künftig dich zerstreun!
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Und o! wie leicht ist da dein Freund vergessen!
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Schwer mach' ich's dir, Geliebte! aber ach!
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Sey stark aus dir! Der Lieb' ist Kunst zu schwach!
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Sieh nur die Wand in deinem Zimmer an,
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Wo ich im Geist' vor
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Wo ich mit Stolz dir manchen großen Mann
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Als einen Freund von deinem Freunde nannte;
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Wo ich die Welt in ihrem Ruhm' vergaß,
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Ja selbst den Neid, weil ich dein Herz besaß!
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Vergiß es nicht, wenn künftig dich zum Schach
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Die Langeweil' anstatt der Liebe führet,
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Wie du zerstreut mit einem leisen Ach!
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Statt eines Steins, oft meine Hand berühret;
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Wie dann, gestreift von deinem Kleide nur,
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Ich weiß nicht wie? mein Herz zusammen fuhr!
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So oft ein Glas Burgunder vor dir spielt,
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Erinnre dich, welch Feuer aus dir sprühte,
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Wenn deine Hand es schwankend kaum noch hielt,
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Welch Morgenroth auf deinen Wangen glühte,
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Wie schüchtern du, wie stammlend mich genannt,
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Als du dich sonst damit zu mir gewandt.
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So oft der May im Veilchenkranze lacht,
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Erinnre dich an jene Bäch' und Büsche,
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Wo du die Hand zum Becher oft gemacht,
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Und deinen Schooß, für unser Mahl, zum Tische.
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Wie oft fiel da der Wunsch dir weinend ein?
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Ach! möchten wir nur arme Hirten seyn!
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Wann wieder Schnee in Pflocken um dich schwärmt,
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So denke noch, wie du mir oft im Schlitten
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Die starre Hand an deiner Brust gewärmt,
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Und sacht gefragt: ob meine Lippen litten?
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Doch wie verbarg, wann ihn der Nord bestrich,
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Mein Mund geschwind in deinem Nacken sich!
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Erinnre dich bei deinem Nähepult',
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Wie du für mich noch kleine Netze stricktest,
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Mit großer Kunst, noch größerer Geduld,
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Ein Blumenbeet in meine Weste sticktest,
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Wie statt des Thau's, der Gartenblumen tränkt,
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Ich diesen oft der Thränen Thau geschenkt.
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Wann du hinfort mit deinem Hündchen spielst,
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Erinnre dich, wie du mit seidnem Tuche
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Den runden Mund ihm fest verstopfet hieltst,
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Wenn aufgeweckt durch nächtliche Besuche,
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Für dich und mich, Entsetzen und Gefahr
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Im kleinsten Laut' von seiner Kehle war!
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Verkündigt dir der Morgenstern den Tag,
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Erinnre dich, wie sonst dein Aug' ihn sahe,
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Als ich mit dir auf deinem Sopha lag,
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Und zitternd sprach: O! sieh! der Tag ist nahe!
53
Denk' an den Kuß, den festumschlungen wir
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Uns zugedrückt an deiner Gartenthür'!
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Doch, alles das verlöscht einmal die Zeit!
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Sie, welche selbst, denn wer kann sie gewinnen?
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Dem Lebensstrom' so früh zu stehn gebeut,
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Läßt schneller noch der Liebe Bach verrinnen!
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So soll auch ich – – versöhntes Nantchen! nein!
60
Ich werde nie von dir vergessen seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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