So ist denn endlich alles still?

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: So ist denn endlich alles still? Titel entspricht 1. Vers(1788)

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So ist denn endlich alles still?
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Dann ist es Zeit, das Schütt der Thränen aufzuziehen;
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Und du, mein Herz! das immer lärmen will,
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So lärme nun, daß deine Seufzer fliehen!
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Denn alles ruhet. –
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Den Odem schnarchend schon herauf aus tiefer Lunge;
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Spadille, der allein mich weinen sieht,
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Hat, zum Verrath' von Nanten, keine Zunge.
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Auch meine gute Mutter, kann
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Dieß Pochen meiner Brust nicht aus dem Schlummer wecken;
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Doch wüßte sie – ach! Mädchen! ach! wie dann?
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Sie tödtete der Gram, und dich, der Schrecken!
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Und doch, mein Herz! erlaubst du mir
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Den wunderbaren Mann zu sehen und zu küssen?
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Ha! welch ein Kuß? Den können trotzig wir
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Der Welt gestehn, kann selbst der Himmel wissen.
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Schlaf, theure Mutter, schlafe nur,
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Und träume nicht einmal, daß Nante sich verloren;
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Denn Amarant, der oft mir Liebe schwur,
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Hat öftrer noch auf meine Ruh' geschworen.
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Herz! das für den nur Liebe fühlt,
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Den Mensch und Engel liebt, wer kann dich schuldig sprechen?
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Und liebt' ich ihn, wenn ich ihn fähig hielt',
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Er könne dich und seine Schwüre brechen?
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Ein unbegrenzt Vertrauen legt
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Den Arm auf seinen Arm, die Hand in seine Hände. –
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Doch stille! horch! Die Klosterglocke schlägt! –
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Drei Viertel? ach! – Zeit! nimmst du nie ein Ende?
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Ha! wie mein Odem zitternd schnaubt!
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Vom Wirbel bis zum Zeh' brenn' ich in Feuerflammen!
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Hu! Fieberfrost! wie schüttelst du mein Haupt!
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Ihr Kniee! fallt ihr unter mir zusammen?
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Auf keiner Stelle hab' ich Rast!
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O! daß er doch nur nicht so überlange bliebe!
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Und dennoch ist dieß Zittern, glaub' ich fast,
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Nicht eben Furcht; was sollt' es seyn als Liebe?
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Wie dreht sie mich im Kreis herum,
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Daß alle meine Kräft' und Sinne mich verlassen!
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Komm, Amarant! ich stürze schwindlich um!
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Komm! laß mich nur an deiner Brust erblassen!
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Doch kann er treu dem Schwure seyn,
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Wenn ich mich so berauscht ihm vor die Augen stelle?
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Drum krieche nur du kleiner Dacht hinein,
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Mein Lämpchen brennt fürwahr sonst gar zu helle.
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Würd' er mich nicht erröthen sehn,
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Und merken, wie, verwirrt, ich mit der Zunge stocke?
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Doch Närrin! laß dir's wie es will ergehn,
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Denn hörst du wohl? da lautet schon die Glocke!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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