Bei Uebersendung einer Locke

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Bei Uebersendung einer Locke (1788)

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Vor meinem Spiegel stand ich früh,
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Hielt Musterung der Locken, zog von allen
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Die Nadeln aus, daß auf die Schultern sie
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Wie Bäch' herab von Felsen fallen.
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Die schönste sucht' ich dir heraus;
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Ich schnitt sie ab mit deiner Bilderscheere,
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Und weinend stieß ich da den Seufzer aus:
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Ach! daß es eine Krone wäre!
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Doch so – nur eine Locke, Freund!
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Die nicht verdient, daß sie hinauf sich schwinge,
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Wo hell das Haar von Berenicen scheint,
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Noch daß ein
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Und dennoch hat sie Werth, o Mann!
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Denn du erhältst mit ihr mein Herz voll Liebe;
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Und böt' ein Fürst für
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So glaube, daß die Kron' ihm bliebe.
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Freund! nimm denn meine Locke hin!
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Dann werd' ich doch, nicht
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Und wenn ich längst ein Spiel der Winde bin,
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Wirst du von mir

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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