Gleich ihr, so prunklos, so bescheiden!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Gleich ihr, so prunklos, so bescheiden! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Gleich ihr, so prunklos, so bescheiden!
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Und doch – um Goldstoff tauscht' ich's nicht.
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Es weiß allein um ihre Leiden,
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Und sah allein bei Mondenlicht
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Des Mädchens stille Thräne rinnen,
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Und fing sie im Verborgnen auf,
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Und hört' allein ihr Seufzen: Weg von hinnen!
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Hinauf! zu Gott hinauf!
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Auch meine Thränen hat's getrunken,
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Als ich – o Nacht des neunten März! –
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An ihrem Busen lag, versunken
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In Lieb', in Mitleid und in Schmerz.
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Da stand der Puls der Adern stille,
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Da schlossen Auge sich und Ohr,
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Da hob nicht mehr selbst diese leichte Hülle
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Ihr Busen noch empor.
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Sie gab mir, wach aus diesem Schlummer,
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Von unsern Thränen noch benetzt,
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Dich, Zeuge sonst von meinem Kummer,
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Und meiner Freude Zeuge jetzt.
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Sey du durchs Leben mein Begleiter;
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Mehr wirkst du, als ein Talismann.
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Die dich mir gab, war selbst bei Schmerzen heiter,
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Und duldet' als ein Mann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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