Was verschönern! was verstecken!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Was verschönern! was verstecken! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Was verschönern! was verstecken!
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Nur gemalt so wie ich bin!
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Alle kleine Sommerflecken,
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Wie sie da sind, treulich hin!

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Doch was half mir diese Bitte?
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Seine
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Ob mein Herz darunter litte?
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Schöner malt' er Stirn' und Haar,

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Schöner malt' er Kinn und Nase,
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Aergert' ich mich noch so sehr:
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Frag' ihn, Liebster, ob er rase?
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Denn das bin ich nimmermehr.

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Und was sollen diese Lügen?
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Bildet sich der Mann wohl ein
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Mich gefällig zu betrügen,
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Schöner, als ich bin, zu seyn?

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Ob die Schönheit mich empfehle?
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Das ist meine Sorge nicht,
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Denn du liebest Nantens Seele,
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Thoren, nichts als ihr Gesicht.

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Alles hieß ich diesem Tropfe,
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Diesem Stümper, endlich gut,
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Aber brennen nicht im Kopfe
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Meine Augen voller Glut?

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Der Natur nicht, bloß dem Glücke
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Dank' ich dieß, mein Amarant,
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Denn der erste deiner Blicke
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Setzte plötzlich sie in Brand.

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O die Augen! o die Augen!
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Schade was für das Gesicht;
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Ha! zum Maler mag er taugen,
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Zum Geliebten taugt er nicht.

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Dieses Schmachten, dieses Sehnen,
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Dacht' ich so in meinem Sinn',
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Diese halb versteckten Thränen –
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Kurz, die Seele malt er hin.

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Und wie will ich in dem Bilde
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Gern vor Amaranten stehn!
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Wenn er zornig ist, so milde,
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Wenn er seufzt, so freundlich sehn!

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Wenn er betet, wenn er dichtet,
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Schlaf' er oder sey er wach,
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Immer nur auf ihn gerichtet
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Folget ihm mein Auge nach.

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Will er, böser Menschen müde,
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In sein Kabinet entfliehn,
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O wie soll ihm Trost und Friede
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Von dem Bild' entgegen ziehn!

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Und nun sieh! – ich möcht' ihn schlagen! –
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Sieh die Augen, lieber Mann!
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Ist es nicht als wenn sie sagen:
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»geh doch, sieh uns nicht so an!«

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Und nicht wahr, so saure Züge
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Machen dir im Ansehn Qual?
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Willst du frohere? So fliege
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Morgen zum Original'.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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