Dieser Tag ist gänzlich mein!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Dieser Tag ist gänzlich mein! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Dieser Tag ist gänzlich mein!
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Und der Himmel ist so blau,
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Und die Tröpfchen Morgenthau
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Blinken so im Sonnenschein',
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Und die Tauber laufen so
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Hinter ihre Täubchen her,
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Und die Spatze, närrisch froh,
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Tanzen in die Kreuz und Queer,
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Und die Hühner wälzen sich
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In dem warmen Sand' herum,
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Und die Hähne fliegen mich,
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Blind vor Freuden, um und um;
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Alle Schnäbel, grad' und krumm,
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Wetzen sich zu Streit und Kuß,
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Und der Truthahn, stolz und dumm,
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Steht da, ärgert, brüstet sich,
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Wie ein junger Kritikus,
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Und der Pfau, mit seinem Schweif',
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Tritt einher so keck und steif,
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Wie die hochgebornen Herrn
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Mit erkrochnem Ordensstern'.
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Alles ziehet in die Brust
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Neues Leben, neue Lust,
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Mit der Frühlingsluft hinein!
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Alles schenkt' ich heute hin,
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So zufrieden wie ich bin!
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Selbst der Bosheit Spötterein
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Nähm' ich heute lachend hin,
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So zufrieden wie ich bin:
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Denn der schöne Tag ist mein!
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Heut' ist alles möglich mir,
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Was mir sonst unmöglich ist!
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Willst du Lieder, Ruhmbegier?
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Heute säng' ich Eins, so schön
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Wie von
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Aber, laß mich heute gehn!
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Bringst du Akten, Dienstbegier?
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Heute referirt' ich schier
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Aus Geschmiere, bunt und kraus,
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Etwas menschliches heraus:
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Aber, packe dich von hier!
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Schade wär' es, diesen Tag
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So verschleudern, so entweihn.
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Renn' um Ehre, wer da mag!
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Wär' es auch mein Sterbetag,
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Dennoch wollt' ich mich erfreun!
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Sattelt! sattelt! ich muß hin
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Zu der großen Königin
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Meines Herzens! durch den Hain,
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Ueber Graben, Stock und Stein,
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Reit' ich heute ohne Scheu,
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Heut' einmal recht sorgenfrei
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Mit der Sängerin zu seyn.
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An dem Riesenhöhlenbach'
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Wollen wir uns lagern, ach!
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Wollen da so fröhlich seyn
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Wie die Vögelchen im Hain';
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Wollen da auf ihrem Schooß'
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Tafel halten, und du Moos
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Sollst uns wiegen, und du Hain
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Sollst ein Wiegenlied dazu
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Singen, und du Linde du,
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Statt des Sonnenschirmes seyn.
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Zäumt den Rappen! ich muß hin
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Zu der Liedersängerin!
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Welt! wie bist du heute schön!
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Was da siehet, starrt dich an,
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Doch, wer Nantchen sehen kann,
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Wird auf dich nicht lange sehn;
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Und, o Glück, ich bin der Mann?
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Und die deutsche Sapho soll
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Ruhn in diesem Arme hier?
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O gewiß,
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Aber ich nur nicht mit dir.
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Hast Guineen Säcke voll,
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Geh, und kaufe denn dafür
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Ihre Freud' und ihren Scherz,
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Ihre Lieder und ihr Herz!
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Denk' einmal, das kostet mir
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Nur ein wenig wenig Schmerz.
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Bringt den Rappen! ich muß hin
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Zu der Freudengeberin!
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Zwar ihr Herz ist immer mein:
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Aber ach! die Hand! die Hand! –
85
Zwinge mindstens in kein Band,
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Liebes Glück! sie sträubend ein!
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Laß sie, laß sie mein noch seyn!
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Und, wo nicht, so bitt' ich dich,
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Wiege heute Sie und mich,
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Brust an Brust, zum Schlummer ein,
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Aus dem Rausch' der Freuden, ach!
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Mit dem Morgenrothe, wach
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In Elysium zu seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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