Gehen die Künste nach Brod, dann muß es sie weiter nicht kümmern

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Gehen die Künste nach Brod, dann muß es sie weiter nicht kümmern Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Gehen die Künste nach Brod, dann muß es sie weiter nicht kümmern,
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Wen am Ziele der Ruhm mit Amaranten bekränzt.
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Weinend müssen sie dann die Flügel des Genius binden,
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Der, überlassen sich selbst, sonst Ideale verfolgt,
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Die, von keinem erreicht, nur dem im dünneren Aether
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Sichtbar werden, der hoch über den Pöbel sich schwingt.
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Aber wenn er im Volk', gebunden, hier unten verweilet,
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Bringt er zur Erde uns nichts neues vom Himmel herab.
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Was der reiche Dünkel ersinnt, sich selber zu schmeicheln,
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Führt, verwünschend sich selbst, sträubend der Genius aus.

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Gehen die Künste nach Ruf, dann muß es sie weiter nicht kümmern,
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Was erheischt die Natur, oder der Kritiker wünscht.
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Dann so wird die Stadt zur Welt, die Zeitung zur Nachwelt;
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Gaffender Menge Geklatsch: Genius, Regel, Modell!
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Ach! sie würdigen sich herab zu Putzmacherinnen;
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Einer
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Bildete nicht selbst
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Für der Familie Gold,
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Und behängte den Schultheiß von
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Bunt mit Fahnen und Helm, Wapen und Orden und Speer?
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Aber der Fremde, schüttelt den Kopf, blickt lächelnd und kalt hin,
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Während der Küster ihm stolz Ahnen und Kosten summirt.
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Doch der Genius hat in einem bescheidenen Sandstein'
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Kunst und Künstler dafür gleich auf der Stelle gerächt.

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Schneller, erleichternd die Müh', die wieder erwachende
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Aus dem Grabe zu ziehn, strecket des Reisenden Arm
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Unwillkührlich sich ihr entgegen; aber sein Mitleid
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Wandelt, erkennend den Stein, schnell in Erstaunen sich um.
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Hätt' auch
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Unsinn mit unter sogar, schon in der Prosa gefühlt,
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Nun so mußte doch wohl bei so genannten Gesängen
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Sein melodisches Ohr minder nicht leiden, als der,
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Den im Trabe die Post auf einem Damme von Knüppeln,
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Packen und Fässer im Tanz', rasselnd mit Ketten, erreicht.
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Du, der weder um Gold, noch um das Bravo der Menge,
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Je dich kümmerst, o
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(beide reichen bei dir sich wie Verlobte die Hände,)
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Nur um ihrer selbst willen zu lieben, beschwurst,
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Und zwölf Lustern lang den Schwur hast treulich gehalten:
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Beide flechten sie einst deinen nicht welkenden Kranz!

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Wer Zerstreuung sucht, ist immer begierig nach Neuem,
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Das dem inneren Sinn' tieferes Prüfen erspart;
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Mehr der Blumen Zahl, als ihre vollendete Färbung,
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Mehr ihr buntes Gemisch, als ihr harmonischer Kranz,
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Mehr der betäubende Hauch des fremden Gewächses im Treibhaus',
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Als der Rose Duft, ziehet den Flüchtigen an.
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Zehenmal hörest du drum die neuesten
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Als ein einzigesmal
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Eher umschwirret darum in hundert Koncerten ein krauses
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Mengsel von Tönen dein Ohr, ohne zu finden dein Herz,
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Als dich ein einziges mal der alte Zauberer
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Oder

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Aber zum Glücke belohnt die Kunst sich selbst, wie die Tugend.
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Nichts ist am Ende doch schön, nichts überlebet uns selbst,
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Nichts befriediget uns schon hier, als einzig das Wahre.
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Was ist wahrer als du, einfache, schöne Natur!
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Du verschuldest ja nicht die italienischen Blumen,
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Aefft der Fabrikant sklavisch, dich Schöpferin! nach,
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Daß vor der Farben Gemisch, grell, wie auf ostindischem Zitze,
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Und vor der Ranken Gewirr, Flora die Augen verschließt.

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Du, ihr Priester, o
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Nicht mit Flitterstaat, wie sich die Buhlerin schmückt;
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Durch Charakter und Geist kann
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Wenn sie das Auge denn nur listig zu täuschen versteht.
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Werde nicht müde, o
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Und an ihrem Altar' Jüngling' und Mädchen zu weihn.
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Jedes Opfer verschönert ihr Herz. Sie lernen durch Töne,
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Sonst der Zerstreuung geweiht, stärken der Tugend Entschluß;
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Fühlen, wie lieblich es ist, dem danken, der die Natur schuf,
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Denn des Trostes bedarf selten ihr Blüthenmond noch.
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Aber des Sommers Gewitter und kalte Stürme des Herbstes
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Sind auch ihnen nicht fern. Werden, der Nachtigall gleich,
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Sie verstummen alsdann? Nein! deiner Weisen gedenkend,
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(wer mit dem Herzen sie hört, nimmer vergisset sie der,)
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Hören sie minder das Rollen des Donners, das Rauschen des Sturmwinds,
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Dein erhabner Psalm fürchtet vor beiden sich nicht.

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Wandle noch lange, mein
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Auch die längeste selbst dünket den Freunden zu kurz.
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Haben mit Trauergesang sie einst zur Ruhe geleitet,
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Der durch sanften Ton Herzen beruhiget hat,
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O so wird doch nicht ihr Dank wie die Töne verhallen,
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Nicht verdorren der Baum, den du zum Blühen gebracht.
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Früchte reifen auf ihm, trotz unserm rauheren Clima,
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Groß und süß, wie kaum Rom und Neapel sie zeugt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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