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Ist wieder da. Halb Deutschland hat er kaum
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Durchzogen; denn der guten Seele brannten
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Die Sohlen, um bei mir, der Nacht für Nacht im Traum'
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Ihm vorgekommen war, (trotz allem Widerrathen
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Der Frau,) nur bald genug zu seyn,
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Und seinen Beutel voll Dukaten
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Auf meinen Schreibtisch auszustreun.
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»hier, Herr, ist alles, was der Elephant
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Verdient mir hat. Vor allen Dingen
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Möcht' ich nun gern, – mit Gott wird's ja gelingen! –
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Das treue Thier auch in sein Vaterland –
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Wie heißt's doch gleich? – zurück wohl bringen.« –
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Ei, Grünewald! weißt du auch wohl, wie weit
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»thut nichts! Ich reis' in Gottes Namen,
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Und was ich brauch', ist eine Kleinigkeit;
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Der Elephant muß Heu im Schiffe fressen. –
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Doch, Sapperlot! Herr, hätt' ich doch beinah
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Mein Weib, das böse Thier, vergessen:
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Für diese sorgen Sie doch ja.
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Und – – ja – hab' ich das Thier an Ort und Stelle
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Gebracht, so kehr' ich wieder um;
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Doch, lieber Herr, auf alle Fälle
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Auf einmal ward er stumm,
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Und sah mich weinend an, als sollt' ich ihn errathen.
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Nein! sagt' ich, lieber
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Nimm deinen Beutel voll Dukaten,
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Und kaufe Land; auf unsern fetten Saaten
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Vergißt der Elephant sein
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Allein das hieß nur tauben Ohren
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Gepredigt. Er meint', an ihm sey ja
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Sehr wenig oder nichts verloren;
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Und dennoch kommt in ihm ein Mensch nach Asia,
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Da er durchaus sich nicht will halten lassen,
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So mag das Glück mit ihm und diesem Briefe gehn.
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Die Sprache wird er schwerlich fassen,
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Lernt aber ein Dollmetscher ihn verstehn,
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(denn sein Accent ist rauh, wie unsre Luft vom Brocken,)
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So wird der Ton, der oft mit Thränen stahl,
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Vorwerfen, nie sich wird bequemen,
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Daß sie durch Spott ihn nicht einmal in Mienen
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Beleidigen; denn, eh' sie sich's versähn,
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Würd' er mit seinen Fäusten ihnen
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Die Nase auf den Rücken drehn.
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Auch laßt ihn alles baar bezahlen;
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Für keinen Deut verbunden seyn.
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Zwar drang er mir mit edler Hitze
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Noch heute früh die halbe Pudelmütze
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Voll Kremnitzer Dukaten auf;
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Doch weiß man wohl: Von einem Fremden
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Will jeder Geld! Drum schickt' ich gleich nach
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Der soll sie auf der See ihm geben,
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Denn sonst erhielt' ich sie mit erster Post zurück.
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Was? (sagt' er oft,) Ich sollte besser leben?
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Für mich gehöret sich ein Stück
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Hausbackenbrod, denn auf der Gottes Erde
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Hab' ich ja weiter nichts gelernt,
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Als wie man Dohnen stellt und wilde Schweine körnt;
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Wenn ich noch lesen lernen werde,
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Und dann mein Herr: »Iß, Alter!« zu mir spricht,
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Dann eß' ich Braten; eher nicht.
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Wie oft hat er auf Glück und Geld geschmälet,
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Bloß, weil nicht ich mit Sechsen fahren kann,
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Dem, wie er glaubt, kein Buch mehr fehlet!
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Verzeiht darum dem guten alten Mann'
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Die Schwachheit, daß er gern von mir erzählet.
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Ich weiß, wie sehr ihn itzt der Umstand quälet,
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Daß er mein Buch nicht lesen kann;
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Ohn' alle Gnad' es dennoch hören.
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Gleich Anstalt macht', es zu begreifen.
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Doch, nimmt er dort sich besser vor den Schlingen,
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Die ihm die Hitze legt, in Acht,
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So thut er das, um nur mit Freudensprüngen
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Die Rarität zurück zu bringen,
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Die meinem Weib' ist zugedacht.
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Als er von seiner Wanderschaft verwichen
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Zu Hause kam, da war ihr alter Freund,
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Ihr lieber Papagey, verblichen,
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Und ward, so oft sie sich zu seiner Gruft geschlichen,
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Oft leise noch beklagt und still beweint.
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Gib dich zufrieden, Ferdinande,
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(sagt' ich aus Scherz,) gib dich zufrieden, Kind!
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Wo Papageyn in Menge sind. –
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Allein ich unbesonn'ner Thor!
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Ich hätt' ihn besser kennen müssen;
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Denn kaum war dieses Wort hervor,
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Um einen Psittich abgerissen.
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Kurz, ohne daß mein Weib es wissen soll,
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Verbrennen ihm seitdem vor Ungeduld die Sohlen,
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Ihr einen ganzen Käfich voll
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Der schönsten Papageyn zu holen.
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Gebiet' zurück, (der Himmel gebe, bald!)
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So soll kein Papagey ein Wort sonst sprechen lernen,
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Das wird, wann einst der Sturm vom Brocken
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Daherrauscht über sein Gebein,
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Die Thränen oft mir in die Augen locken,
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Und mehr als das Geläut der Glocken,
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Erweckung zum Gebete seyn.
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Wie gern hätt' ich in einem Lobgedicht'
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Den zweiten Theil ihm zugeschrieben!
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Nur darf man wohl bei uns, im Angesicht'
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Des Volkes, einen Schelm von Range lieben
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Und ehren, einen Jäger aber nicht.
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Indeß, wenn längst schon seinen Namen
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Kein Papagey mehr ruft, mein
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Nicht mehr, wie itzt, geschäftig ist,
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Und keiner mehr von Deutschlands Herrn und Damen
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Aus Langerweil' in meinem Buche liest:
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Dann wird ihn noch das Wesen kennen,
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(nicht wahr, ein solches glaubt
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Das einst aus uns heraus das Gold wird brennen;
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Und o wie wenig wird von
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Verfliegen, oder sich vom Gold' als Schlacke trennen!
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Vielleicht so hohl dann wie Hollunder. –
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Allein verzeiht! Ich werde, wie es scheint,
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Zu ernsthaft; und das ist kein Wunder,
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Des Glücks, gäb' ich um einen solchen Freund!
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Ich hoff', auch Euch wird er willkommner seyn,
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(denn itzt schon ließ' er kurz und klein
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(so hieß er sonst, der
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Das, durch ein Uhrwerk, Kurzweil machte,
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Und für Siamischen Kattun,
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Lyoner Goldstoff überbrachte.
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So nehmt ihn denn mit seinem Thiere
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Und mit dem Fäßchen gnädig an,
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Weil sie nichts bessres schicken kann.
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Es ist Johannisbeerenwein,
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Wozu sie selbst die Beeren pflückte,
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Und sich um seinen zweiten Freund,
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Den Elephanten, satt geweint,
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Und satt gekauft an Indianschen Krähen:
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Dann, bitt' ich, laßt ihn wieder gehen.
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Ein Ding sey noch so schwer und kühn:
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Wenn er's versprach, so hält er auch sein Wort;
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Drum lief' er sicher dennoch fort,