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Schon läßt die Sonne länger auf sich warten,
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Hat mich der Hahn mit seinem Krähn geweckt;
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Schon hat der Reif die Wiesen weiß bedeckt,
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Und ach! den letzten Schmuck im Garten,
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Die Kürbisse, die noch auf Wärme harrten,
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Verschrumpft zur Erde hingestreckt.
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Schon ziehen dunkelgrau am Felsen
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Die Regenwolken hin; die rasche Zorga schwillt;
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Am Ufer klappert schon das Haupt der nackten Elsen:
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Ach! alles war so sanft, und alles wird so wild! –
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So pack' denn ein, lieb Frauchen; laß noch heute
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Zurück uns kehren nach der Stadt.
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Du seufzest? Aber wie? wenn uns ein Wasserbad
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Umringt', und hier der hohle Weg verschneite:
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Wie machst du dann ein Haus voll Menschen satt?
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Indeß das Corpus juris und zwei Wiegen,
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Ein Globus und ein Kucheneisen sich,
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Auf einem Wagen, brüderlich,
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Zum Umziehn in einander schmiegen,
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Reis' ich auf diesem Blatt' Papier,
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(es kostet gar zu viel, im Wagen!)
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Im Herbst' erröthend Dank zu sagen.
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Denn seit dem Mai hatt' ich das Sitzen,
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So wie das Schreiben, ganz verlernt;
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Dein Lob, das von der Berge Spitzen
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Mich sonst herab zum Schreibepult' gekörnt,
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War, einen Reim aus mir heraus zu pressen,
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Itzt selbst zu schwach. Ein Landhaus, Freund, ward mein!
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Und kaum trat ich mit Weib und Kind hinein,
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So war die Welt rund um mich her vergessen;
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Und wer wird das der Liebe nicht verzeihn?
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Ich aber liebe nicht viel minder
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Es ward mein Arzt; denn hier ward ich gesünder;
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Es ward der Lehrer meiner Kinder,
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Die hier erst sahn, wie früh die Sonne scheint.
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Kann Niemand der Versuchung widerstehen,
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Das Mädchen, das sein Herz ihm stahl,
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Von ihrer Stirn' bis zu den Zehen
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Uns zu beschreiben: sag' einmal,
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Wie könnt' auch ich mein Landhaus und mein Thal
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Mit dir so still vorüber gehen?
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Im schönsten Thal', durchschnitten von dem Lauf'
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Doch säh' ich gern, trüg's
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Zum Glück' indeß blieb mir von allen Seiten
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Die Aussicht frei; denn, einer Insel gleich,
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Trennt hier ein Busch, dort eine Wies', ein Teich,
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Mein Landhaus zwar von guten Leuten,
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Doch von den bösen auch zugleich.
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Wenn rund umher gleich Thier und Menschen wühlen,
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So ist's doch einsam hier und still.
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Des Stromes Rauschen, das Gebrüll
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Der Stiere, das Geklapper zweier Mühlen,
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Des Wächters Schreien: Hört ihr Herrn!
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Der Glocken Lauten oder Schlagen,
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Wird deine Träume nicht verjagen,
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Denn alles hörst du nur von fern.
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Fängt ja der Wind im Norden an zu keifen:
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Wohl! eine kluge Maus hat mehr als nur ein Loch;
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In Süden ist ein Cabinettchen noch,
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Was dort ein Heulen war, wird hier ein sanftes Pfeifen.
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Macht's mir die Sonne hier zu arg auf ihrem Thron',
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So leb' ich, Freund! in Mitternacht verborgen;
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Doch bietet sie im Bette schon
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Mir täglich einen guten Morgen,
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Dann noch so mild, wie Venus holder Sohn.
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Ich will dich nicht durch meine Zimmer führen;
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Sogar mein Bücherschatz ist
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Kurz, außer frohen Menschen, frohen Thieren,
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(denn Doris rechnet Hund' und Papagein
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Mit zur Familie,) mag alles,
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Auf jedem Landhaus' unsers Balles,
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Leicht schmeichelnder fürs Auge seyn.
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Doch hat vielleicht keins eine solche Hütte;
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Wenn selbst Herr Goliath zu Pferd' in sie hinein
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Mit seinem Weberbaume ritte:
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Sie wär' ihm nicht zu niedrig und zu klein.
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Sobald der Abendthau auf ihre Blätter fällt,
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Wird sie durch Lampen von Kristalle,
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Durch eines Fürsten Gunst, erhellt.
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Die ganze Welt geht dann zu Bette,
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Nur du, o Nachtigall! nur du
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Schwärmst gern wie wir, singst mit uns in die Wette,
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Und du, o Mond! gehst auf der Berge Kette
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Langsam vorbei, und hörst uns zu.
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Ihr Sperling' aber schlaft, (für euch und uns das Beste!)
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Ganz ruhig, über unserm Haupt',
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Bei unserm Nachtgesang' im Neste,
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Der Wanderer, gelockt durch Sang und Lampenschein,
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Kommt, steht und horcht auf unsrer Lieder Weise,
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Sieht zu den Sternen auf und seufzet leise:
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O Gott! möcht' ich doch auch so glücklich seyn!
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Verräth ihn uns das Bellen unsrer Hunde,
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So zieh' ich stracks ihn in die Laub' herein,
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Und locke durch Johannisbeerenwein
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Aus seiner Brust den Neid, ein Lied aus seinem Munde.
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Seht, guter Fremdling, sag' ich dann,
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Wir sind vergnügt, wie wir es scheinen,
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Doch ihr erblickt hier unter uns auch keinen,
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Der nicht durch Fleiß sein Gläschen Wein gewann.
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Selbst diese beide muntre Kleinen,
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Die euch bedienen, karrten, dort
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Den kleinen Berg von Quecken und von Steinen,
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Aus unserm Küchengarten fort.
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So oft ihr in der Hütte hier, Gesang
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Und Lachen, und der Gläser Klang
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Am Abend höret, ist's ein Zeichen,
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Daß unser Tagewerk uns allen gut gelang;
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So geht nun hin und thut deßgleichen.
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Wie schläft es sich so süß auf solchen Tag
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Und solchen Abend! Böser Regen!
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Das unschuldsvolle Lustgelag
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Störst du so früh? doch meinetwegen!
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Denn, wenn es, Freund, noch zwanzig Jahr'
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Beständig Lenz und Sommer bliebe:
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Ich stünde wahrlich in Gefahr,
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Daß ich kein Wort, so sehr ich dich auch liebe,
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In allen zwanzig Jahren schriebe.
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Den Grund sollst du ein andermal erfahren,
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Zupft mir am Kleid' und zerrt mich bei der Hand.
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Was die Penaten oder Laren
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Den Römern einst bei solchem Umziehn waren,
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Denn, harrt' ich noch so lange: nicht hinaus
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Zum Thore, würden Weib und Kinder fahren,
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Wär' ich nicht auch dabei. – Ich muß den Rest versparen,
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Der Junge reißt mir sonst den Arm noch aus.