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Der Elephant ist glücklich angekommen.
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Ich dank' Euch zwar dafür, doch in der That!
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Ich war ein Thor, daß ich um einen bat,
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Denn wozu soll der Knochenberg mir frommen?
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Mir fraß ein Reitpferd schon zu viel,
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Und ich sollt' itzt der Schöpfung Riesen füttern?
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Ihm wäre – was ich ohne Zittern
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Kaum denken kann – mein Hab' und Gut ein Spiel!
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Allein er war nun einmal da,
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Und stand vor meiner Thür', und sah
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Das Haus verächtlich an, als wollt' er fragen:
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Nun! ist denn hier kein Thor für mich?
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Und machte Mien' als wollt' er sich
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Mit seinen Zähnen Eins durch Wänd' und Säulen schlagen.
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Hob vor Erstaunen bis zur Stirne
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Die Augenwimper auf, ja selbst der Mund der Dirne,
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Die von dem Markte kam, ward stumm.
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Sein Führer, der den Geist der Stadt nicht kannte,
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Hatt' überall beim Einzug' gleich
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Es ausposaunt: der Elephante
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Sey ein Geschenk von Euch.
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Für Eindruck machte. Jede Mütze,
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Die sonst vor mir wohl fest gesessen hat,
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Fuhr, als ich kam, schnell, wie vom Blitze
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Getroffen, bis zur Erd' herab.
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Für Verse – diese Lumpereien! –
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Ein solch Geschenk! das schien nun jedem zwar
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Unglaublich, oder sonderbar;
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Ja, Eure Hoheit wird verzeihen!
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Man hätt' Euch, traun! den Augenblick,
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Wer weiß, wofür? gehalten, wenn zum Glück'
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Für mich, Ihr nicht ein König wäret.
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Allein das bloße Wort gleicht einem Zauberstück'
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Auf Herrn Amphions Leyer; wer es höret,
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Dem schwinden Sinnen und Verstand,
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Als hätt' ihn süßer Wein bethöret,
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Und wer itzt wie ein Stein da stand,
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Der tanzt, als hätt' es ihn
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So war auch ich im Auge aller Leute
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Von Stund an gleich ein andrer Mann;
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Denn ob ich, trotz dem Elephanten! heute
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Gleich keinem Bettler, mehr als gestern, helfen kann,
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So ist es doch genug, daß ich nur an
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Vielleicht ging' ich den Weg durchs Leben bis ans Grab,
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Und wenn ich auch ein zweiter
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Allein ein Elephant von einem König'! – Ehre
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Die Menge regnet's gleich herab!
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Nun glauben zwar vielleicht die Leute,
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Daß ich des Elephanten mich
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In seiner Scheune inniglich,
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Und ihrer Kompliment' auf meinem Sopha freute;
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Denn der ist nicht den kleinsten Zahn
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Von einem Elephanten werth,
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Wer keinen edlern Stolz in seinem Herzen nährt.
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So wißt: der Elephant gibt, Ehre nicht, nur Neid,
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Von Geist und Witz und Sprache seyd.
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Der Mann geehrt, – denn besser ist doch besser! –
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Wird er dadurch in meinen Augen größer,
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Als er den Tag vorher schon war.
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In meiner Denkungsart gefiel,
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Zu unterhalten, war wahrhaftig nicht mein Ziel.
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Wenn aber das Geschenk, – es sieht
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Beinah so aus! – bloßfür die Ehre
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Der Dedikation, ein Trankgeld wäre:
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Nun, gnädger Herr, so sind wir quitt!
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Allein auch dann bin ich
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Denn, ist gleich mir der Elephant nichts nütz,
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So hab' ich doch für ihn den rechten Mann gefunden,
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Der nun auf einmal reich durch den Besitz
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Des Thieres ist. Ein alter Jäger,
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Der meinem Vater treu bis an sein Ende war,
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In dem ich, wenn er stirbt, (was freilich sonderbar
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Am Hofe klingen mag,) den ersten Freund verliere;
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Denn ach! er macht' in meiner Kindheit mir
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Gewiß noch zehnmal größre Freuden,
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Um das mich Stadt und Land beneiden!
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Ihm war es Kleinigkeit, stockstill auf starren Zeh'n,
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Wenn gleich von Eis ihm Bart und Locken klangen,
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Beim Grunzen wilder Säu'n, beim Zischen großer Schlangen,
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Drei Nächte lang im Forst' zu stehn,
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Um mir ein kleines Reh zu fangen!
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Und dieser alte Jäger, itzt
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Zu steif, um auf die Jagd zu gehen,
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(was anders mag er schwerlich wohl verstehen)
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Ist's, der den Elephanten nun besitzt.
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Verzeiht der guten Absicht,
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Die Kreuz und Quer durchzieht.
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Wird er auf seinem Zuge reich,
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(er wird's gewiß, wenn sonst nicht Mann und Thier erkranken,)
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Sich selbst persönlich zu bedanken.