Ich soll nicht dichten

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Ich soll nicht dichten Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Ich soll nicht dichten,
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Weil als Poet
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Nichts auszurichten
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Beim Glücke steht!
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Du magst die Kunst,
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Der wir uns weihen,
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Mit Spöttereien
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Als blauen Dunst
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Nach Lust verschreien
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Allein, mit Gunst!
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Mein lieber Mann,
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Wie fang' ich's an,
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Um auch so reich
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Wie du, zu werden?
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Mit Kutsch und Pferden,
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Fährt man nicht gleich,
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Wenn man auch
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Sein Scherzgedicht
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Weiß aufzumutzen,
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Und viel vom Nutzen
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Des Geldes spricht.
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Wer seinen Frack
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Nicht darf erwerben,
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Nur einen Sack
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Voll Doppelbatzen,
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Wie du, ererben,
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Der hat Geschmack,
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Und hat gut schwatzen!
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Doch nimm, (ich wage
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Drauf Wett' und Strauß!)
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Den Kaufmann aus,
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Dann geh und frage
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Von Haus zu Haus,
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In
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Kurz, Stadt für Stadt,
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Ob unter zwanzig
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Nur einer hat
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Ein Rittergut
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Durch sie erworben,
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Wie dein
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Und hat er's? Gut!
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So sind Gewissen
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Und Edelmuth
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Ihm erst gestorben;
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Denn sterben müssen
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Sie beid', o Mann!
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Steckt sie die Hektik
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Der Dialektik
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Des Wuchers an.
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Dein Engeland,
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Mein Lieber, fand
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Das Sprüchwort witzig,
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Wohl oft auch wahr:
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Uneigennützig
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Zu handeln, sey
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Ein Kleinod zwar,
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Doch könne gar
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Bequem, dabei
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Der Herr Besitzer
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Als Bettler sterben
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Wird's drum unnützer,
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Sich's zu erwerben?
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O welch Verderben
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Der Welt! o Zeit!
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O Sitten! schreit
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Der Moralist,
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Der eifernd, immer
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So leicht vergißt,
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Daß oft noch schlimmer
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Das Menschenvieh
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Gewesen ist,
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Doch besser, nie!
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Philosophie,
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Was man sich plage,
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Lehrt dennoch nicht
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In Jahr und Tage,
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Die schwere Pflicht
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Den Narrn zu dulden,
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Der einen Gulden
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Weit höher schätzt,
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Als alle Thaten,
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Vom Dank' der Staaten
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In Stein geätzt,
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Als alle Säulen,
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Die noch bisweilen
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Erhabner Tugend
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Ein Weiser setzt,
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Und edle Jugend
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Mit Thränen netzt.
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Er hat Verstand,
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Weil zum Verrathen
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Er neue List
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Und Trug erfand,
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Weil er den Braten
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Der Wittwe frißt,
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Ja selbst die Ruben
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Der Waise raubt;
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Doch, solchen Buben
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Verachten, ist
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Zum Glück' erlaubt.
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Und dir, mein Lieber,
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Dir selbst ja, kocht
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Die Gall' oft über,
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Wenn auf sein Gold
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Ein Wuchrer pocht.
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Dem Golde hold,
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Bist du denn doch
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Weit holder noch
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Dem braven Manne,
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Der keine Spanne
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Vom Weg' abweicht,
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Den ihm die Ehre
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Zu wandeln zeigt.
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Wohlan denn! lehre
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Du mich die Kunst,
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Des Glückes Gunst
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Mir zu erwerben,
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Allein dabei,
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Der Ehre treu,
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Einst froh zu sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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