Wie nun? Gefällt

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Wie nun? Gefällt Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Wie nun? Gefällt
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Die kleine Welt
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Um
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So gut von fern,
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Als nah, dem Herrn
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Stabs-Sekretär?
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Noch zwanzig Länder
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Mag er besehn,
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Und nirgend fänd' er
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Die Welt so schön.
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Allein verschwend' er
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Sein Lob nur nicht;
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Selbst ein Gedicht
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Voll Rühmens, wäre
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So lieb mir nicht,
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Als jene Zähre,
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Die vom Gesicht'
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Ihm auf der Spitze
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Des Berges rann,
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Wo ich, vom Sitze
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Auf Timian,
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Mein Paradies
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Ihm schweigend wieß.
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Dein Auge sah
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Sich brennend um;
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Wie sprühten da
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Nicht seine Funken
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Um mich herum!
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Du saßest trunken,
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Und starr und stumm,
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In dich versunken,
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Hier einen Park,
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Wie der von Vater
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Adam, zu schaun;
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Denn sind nicht traun!
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Dagegen Quark?
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Seit der Minute
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Wird sicherlich
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Von meinem Blute
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Der letzte Tropfen,
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O Freund, für dich
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Im Herzen klopfen.
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Denn ist es schon
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Ein schlimmes Zeichen,
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Wenn Harfenton
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Uns nicht erweichen,
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Der Talismann
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In deiner Kehle,
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O Philomele!
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Nicht fesseln kann:
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So ist der Mann
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Wohl ohne Zweifel
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Ein halber Teufel,
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Der gähnen kann,
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Wenn er den Park
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Mit Eins erblickt,
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Der bis aufs Mark
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Uns beid' entzückt.
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Doch, sey der Mann
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Kein Bösewicht,
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Mag, wenn er spricht,
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Sich selbst daran
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Die Wißgier laben:
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Mit allen Gaben,
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Mag ich ihn nicht
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Zum Freunde haben!
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Denn wär' er gleich
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Auch an Verstand
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Noch Eins so reich,
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Als jene Sieben
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In Griechenland,
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So mag ihn lieben,
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Wer im Gewühl'
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Der Autorschaft,
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Sich um Gefühl
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Und Lebenskraft
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Herum geschrieben.
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Was fing' ich an
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Mit einem Mann',
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Der keine Ohren
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Am Kopfe hat,
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Wenn vor den Thoren
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Der düstern Stadt,
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Die Nachtigall
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Im Busche singt,
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Der Wasserfall
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Nach ihren Tönen
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In Wirbeln springt,
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Und süßes Sehnen
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Ins Herz der Schönen
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Allmächtig dringt?
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Und wozu kann
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Ein Mann wohl taugen,
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Der grade dann
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Nur keine Augen
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Im Kopfe hat,
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Wenn ich auf Höhen
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Ihn führe, satt
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Sich hier zu sehen?
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Was fing' ich an
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Mit einem Mann',
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Der keine Nase
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Für Veilchen hat?
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Der Lagerstatt
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Im weichen Grase
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Zu sehr entwöhnt,
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Sich rückt und dehnt,
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Und sich nach Hause
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Aufs Sopha sehnt?
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Zu einem Schmause,
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Den die Natur
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Auftischet nur
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Für unser Einen,
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Lad' ich so keinen.
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Doch, wer, wie du,
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Noch Aug' und Ohren
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Nicht hat verloren,
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Der komm' herzu!
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Der soll dann schmecken
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Die Süßigkeit,
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Die keinen Gecken
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Das Herz erfreut,
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Auch keinen Weisen,
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Die gleich den Schnecken
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Nach Weisheit reisen,
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Gelehrsamkeit
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Zwar nach Vermögen
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Der Welt anpreisen,
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Doch ach! dagegen
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Zufriedenheit
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Kalt von sich weisen.
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Hat darum dir
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Im Tannenhain'
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Mein junger Wein
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So süß geschmeckt,
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Weil Wißbegier
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Dich frühe weckt,
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Und sich vor dir
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Kein Herz versteckt?
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Und sind denn wohl
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Des Harzes Beeren
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In deinem Munde
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Schon aus dem Grunde
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So Honigvoll,
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Weil du die Lehren
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Der Salze kennst,
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Und manche Stunde
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Der Kräuterkunde
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Auf Fluren gönnst?
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O Freund, fürwahr!
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Du hätt'st das Jahr,
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Worin mein Wein
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Am Niederrhein'
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Gekeltert war,
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Gewiß errathen,
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Wenn dir kein Feld
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Mit Büsch' und Saaten
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Sich dargestellt.
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Mein Trauter, wären
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Gerade wohl
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So Honigsüß,
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Als unsre Beeren,
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Wenn ich dich ließ'
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Ein Körbchen voll
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Im Paradies'
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Von
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Längst wär' ich schon
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Von Haus und Hof
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Und Amt entflohn;
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Doch, wenn's am Stoff'
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Zu Thränen mir
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Im Herbst' nicht fehlte,
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Im Winter schier
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Der größte Mangel
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Mich Armen quälte,
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Der dann, bald hier
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Bald da, den Angel
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Nach Freundschaft, ach!
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Umsonst warf aus:
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Ging ich zum Bach'
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Der Wies' hinaus,
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Und kam im Schimmer
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Des Mondes, immer
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Vergnügt nach Haus.
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O! vollends nun
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Mit einem Freund'
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Am Bache ruhn,
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Der dankbar weint,
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Daß Gott auf Erden
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Solch Paradies
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Uns Menschen ließ
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Zur Freude werden:
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Die Lieb' allein
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Nur ausgenommen,
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Kann nichts so frommen!
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Und Lieb' und Wein
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Verrauchen bald;
198
Doch wenn ich alt
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Wie Nestor werde,
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Die Sympathie
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Mit Gottes Erde,
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Wird darum nie
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In mir erkalten,
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Und die Natur
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Mir neu erhalten.
206
Gewinn denn nur
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Das große Loos
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Der Lotterie!
209
Dann flieh, dann flieh,
210
Und ruh' im Schooß'
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Der Freundschaft aus,
212
Und, wo du, Freund,
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Entzückt geweint,
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Da bau' ein Haus!
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Ist das gebaut,
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So führe du
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Uns deine Braut
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Als Freundin zu;
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Dein Hochzeitschmaus
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Weiht dann das Haus
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Mit Becherklange,
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Mit Rundgesange,
223
Mit Küssen ein;
224
Das ganze Leben
225
Soll eine lange
226
Hochzeit nur seyn! –
227
Glück! kannst du geben?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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