Was soll ich sagen?

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Was soll ich sagen? Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Was soll ich sagen?
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O Freund! O Freund!
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Seit dreien Tagen
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Hab' ich geweint.
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Die Augen gehn
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Mir itzt noch über,
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Denn dich, mein Lieber,
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Nicht wiedersehn:
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O! der Gedanke
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Macht meinen Wein
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Zum Schierlingstranke,
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Mischt Wermuth ein
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In meine Speise,
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Macht meinen Schlaf
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Verwirrt und leise,
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Und mich zum Greise.
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Denn ach! dich traf,
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In meinem Traume,
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Schon ein Kroat,
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Der hinterm Baume
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Hervor nun trat,
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Dich, der voll Blut
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Vom Hügel rollte,
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Ausplündern wollte,
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Und deinen Hut
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Schon nahm, als Wuth
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Mir Adlersflügel
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Zur Rache gab.
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Ich sprang den Hügel
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Im Hui! herab,
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Riß aus der Scheide
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Den Degen dir;
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Ins Eingeweide
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Stieß ich mit Gier
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Ihn dem Kroaten,
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Daß selbst ihm aus
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Dem Kopf' heraus
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Die Augen traten.
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Drauf legt' ich mir
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Dich auf den Schooß,
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Und machte dir
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Den Busen bloß,
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Stopft' in die Wunde
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Mein Tuch hinein,
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Bließ mit dem Munde
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Dir Odem ein,
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Und rief unzählig
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Bei Namen dich.
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Da regt' allmählig
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Dein Auge sich;
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Mit Danken blicktest
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Noch einmal du
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Mich an, und nicktest
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Leb' wohl! mir zu.
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Ich aber sprang
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Nun auf, und ging
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Umher, und rang
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Die Händ' und fing
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So laut, um deinen
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Verlust, zu weinen
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Im Schlafen an,
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Daß Nantchen dann,
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So fest sie schlief,
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Mich hört' und rief:
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Was fehlt dir, Mann?
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»ach!
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Sieh hier! – erschossen!«
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Im Traum' doch? Possen!
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Der Traum betrügt!
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Ermuntre dich,
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Und sey vergnügt!
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Denn der hier liegt,
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Mann! das bin ich! –
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»o! Gott sey Dank!
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So lebt er? – doch,
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Ist er wohl noch
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Gesund? Nicht krank?«
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Wie können doch
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Dir Träume, Kind,
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Den Schlummer rauben,
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Die, kannst mir glauben,
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Nur Täuscher sind
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Um einen Traum
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Sich so betrüben!
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Er hat ja kaum
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An dich geschrieben?
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Wer wird gleich schier
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Das schlimmste wähnen?
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Komm'! laß die Thränen
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Abtrocknen dir! –
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Nun Herz! schlaf' ein!
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Und
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Wirst du, Gerechter
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Im Himmel, seyn! –
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»das wird er seyn!
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Wohlan, ihr Zähren,
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So haltet ein.
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Wann Gott gewähren
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Den Wunsch mir wird,
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Daß nicht die Klinge
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Des Kriegs mehr schwirrt,
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Und ich den Freund
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Wie sonst umschlinge:
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Dann weinet beide
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Ihr Augen, weint
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Gott Dank, ihm Freude!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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