Geliebter Sänger

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Geliebter Sänger Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Geliebter Sänger
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An
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Nun werd' ich länger,
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Als je geschehn,
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Von dir nichts hören
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Und dir nichts sehn!
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Denn sieh! wir stehn
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Mit zweien Heeren
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Dem Feinde nah,
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Das Schwert in Händen,
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Den Zwist zu enden,
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Zum Kampfe da.
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All mein Beginnen
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Ist nun: zu sinnen,
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Wie noch so sehr
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Verwachsne Wege,
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Für
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Und Felsenstege
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Gut und geschwind
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Zu bahnen sind;
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Und wie ich Flecken,
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Nur eingefaßt
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Von Zaun und Hecken,
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In aller Hast
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Durch Kunst soll decken;
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Nach dem Clairac
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Wall und Verhack
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Darum erbaun,
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Den Feind zu schrecken,
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Dem nie zu traun.
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Statt, Schattenwegen,
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Wie Dichter pflegen,
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Still nach zu gehn,
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Und dann am Quelle
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Die Rasenstelle,
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Wo Zephyrs wehn,
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Und Veilchen stehn,
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Zum Grillensitze
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Mir auszusehn,
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Muß ich vor Hitze
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Nun schier vergehn;
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In schwülen Tagen,
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Von Höhn auf Höhn
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Mich müde jagen
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Und müde gehn,
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Des Feindes Lage
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Früh auszuspähn,
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Und, trotz der Plage,
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Noch wohl dazu
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Mich glücklich preisen,
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Wenn mir die Reisen
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Nur sonst in Ruh'
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So so noch glücken!
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Denn unverhofft
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Trifft man in dicken
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Gehölzen, oft
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Tiroler
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Die aus den Hecken,
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Worin sie stecken,
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Auf ihren Mann
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Mit wilden Blicken
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Ihr Rohr in Eil'
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Ans Auge drücken,
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Des Todes Pfeil
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Zum Ziele schicken,
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Und, stürzt der Held,
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In jene Welt
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Unangemeldt
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Ihn überschicken.
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Doch, was ist Müh'?
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Was sind Gefahren?
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Die scheut' ich nie.
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Wenn Engel nur
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Dein Haus und Flur
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Und dich bewahren!
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Gottlob! noch blinkt
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Durch deine Saaten,
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Kein Heer Kroaten,
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Das, statt der Thaten,
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Die
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Bei Nacht und Nebel
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Mit blankem Säbel
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In Dörfer dringt,
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Wo Arm' es schrecket
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Und elend macht,
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Die's unbewacht,
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Und unbedecket,
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Und wehrlos sieht,
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Doch scheu, wie Rehe,
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Von Höh' zu Höhe
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Gar bald entflieht,
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Wenn's Feinde sieht.
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Noch lärmt und sucht
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Dich kein Husar
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Im Haus', und flucht
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Und droht Gefahr,
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Leert deine Flaschen,
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Und deine Taschen,
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Und stellet sich
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Schier so vermessen,
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Als wollt' er dich
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Lebendig fressen.
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An
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Entfernt vom Jammer,
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Den wir hier sehn,
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Weckt zwar der Hammer
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Dich mannigmal
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Vom süßen Schlummer
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Zu Sorg' und Kummer,
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Weil fern im Thal'
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Die Harz-Vulkane
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Nun Tag vor Tag
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Des Kriegs Orkane
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Mit schwerem Schlag'
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Uns zubereiten.
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Doch weil zu Zeiten
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Auf dieser Welt
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Den müß'gen Leuten
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Der Krieg gefällt,
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Und über alle
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Der Kriegesheld
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Seit Adams Falle
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Sich wichtig hält,
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Als ob die Ehre,
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Ein Held zu seyn,
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Die Ehr' allein,
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Was größers wäre,
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Als das zu seyn,
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Was wir hienieden
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In Ruh' und Frieden
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All' könnten seyn:
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So laß den walten,
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Der uns erschuf,
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Und dessen Ruf
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Den Ocean
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In Schranken halten,
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Und dir erhalten
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Den Bruder kann,
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Der dir von sieben
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Allein geblieben.
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Ich aber, ich,
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Um den seit Jahren
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Kein Auge sich
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Mehr trübe weint,
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Will jedem Feind',
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Und den Gefahren
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Mit frohem Muth'
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Entgegen sehen,
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Und soll's geschehen,
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Daß ich mein Blut
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Auf dieser Scene
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Verspenden muß:
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So weih' die Thräne
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Der Freundschaft mir,
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Und nimm itzt hier
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Den Abschiedskuß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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