Statt, daß dein Schäfer zu Carzin

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Statt, daß dein Schäfer zu Carzin Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Statt, daß dein Schäfer zu Carzin
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Dir auf der Feldschalmey' verkündet,
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Wie frisch die Veilchen wieder blühn,
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Und wie dein Gärtner mit Jasmin
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Der Laube Gatterwerk bebindet:
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Jagt dein Trompeter durch die Stadt,
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Und bläset Lärm an allen Ecken,
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Dich, der zum letzenmal' so süß geschlummert hat,
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Zur langen Arbeit aufzuwecken.
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Wie stampfen schon vor deiner Thür',
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Aus Ungeduld, die Rosse der Husaren,
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Und wiehern, schüttelnd mit den Haaren
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Der Mähne, laut herauf nach dir;
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Indeß in deinen Knebelbart
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Zum erstenmale Thränen rollen,
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Und, für den Abschied aufgespart,
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Dein Weib und Kind noch etwas sagen wollen,
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Und blaß verstummen. –
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Du, der allein von sieben Brüdern,
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Trotz mancher Schlacht, mir übrig blieb,
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Und darum itzt mir siebenfach so lieb,
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Ich kann den Abschied kaum erwiedern,
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Den deine Lippe von mir nimmt.
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Mein Auge, das in Thränen schwimmt,
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Sieht kaum die Harfe, und zu Liedern
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Hat sie das Kriegsgeschrei verstimmt.
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O glaub', ich würde heute weinen,
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Wo ihr Geschoß die Zwietracht spannt,
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Hätt' ich im ganzen Heer' auch keinen
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Selbst nur dem Namen nach gekannt.
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Denn, wer Euch ziehen sieht, Geweihte
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Des Vaterlandes! seufzt in sich:
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Zu schön, zu groß ist diese Beute,
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Du Ungeheuer, Krieg! für dich!
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Die Völker könnten – aber still!
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Wer wird den armen Dichter hören?
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Wenn alle Welt sich streiten will,
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So wird, – die Weisheit sonst in Ehren! –
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Und in der That, frommt die Philosophie
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Nur immer uns, und selten Andern.
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Die Welt bleibt, wie sie war, und besser wird sie nie.
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Du kannst mit
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Und, wo du hinkommst – morden sie.
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Wohlan! so will ich denn gelassen
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Von dir mich scheiden, und die Welt
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Nicht darum gleich mit Timon hassen,
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Weil mir das Toben ihrer Bassen,
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Die Arglist der Weßire, nicht gefällt.
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Ich träf's vielleicht in anderen Planeten
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Friedfertiger und stiller an;
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Nur daß man auf dem Schweife des Kometen
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Nicht hin zu ihnen reiten kann.
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Drum hab' ich hier noch gern vorlieb genommen:
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Kommt's besser, als ich dachte? Gut!
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Und schlimmer, als von Adams Brut
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Sich's schon erwarten läßt, kann's doch wohl schwerlich kommen.
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Wie viel von diesem Gleichmuth' dank' ich dir!
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Du liegst so gern an Wiesenbächen,
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Magst lieber in der Stille hier,
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Mit Antonin, als Cäsarn, dich besprechen,
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Am liebsten, selbst ein Antonin,
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Für dich, dein Haus und dein
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Zu werden, durch Verhacke brechen,
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Wohinter sich die Launen ziehn.
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Doch, muß es seyn, so spornest du dein Roß,
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Und wenn auch Weib und Kind zurück dich schluchzend zögen,
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Dem donnernden Geschoß'
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Mit aufgehobnem Arm' entgegen.
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Ich weiß, ein Held aus Ruhmsucht seyn,
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Ist nicht dein Trieb; es wär' auch wenig,
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Und
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Allein der Trieb, für seinen guten König,
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Und für sein Vaterland Gefahren sich zu weihn:
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Der Trieb ist edel, und ist dein.
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Ob die Gerechtigkeit die Fahne,
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Voran trägt? darnach sehn sich etwa Hundert um;
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Zehn Tausend sind zufrieden mit dem Wahne;
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Der ganze Rest – gibt kein Commißbrod drum.
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Vor Cäsarn oder vor Anton sich neigen,
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Das war dem Troß' der Römer einerlei:
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Krieg sey es! die Gesetze schweigen
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Beim Waffenklang'! das war ihr Feldgeschrei.
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Hinweg mit solchen feilen Sklaven,
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Die nur um Gold der größre Sklav besingt!
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Doch der soll einst noch unter Lorbeern schlafen,
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Wer
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So wird, soll noch dereinst dein Blut
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Den schwarzen Acker purpurn färben,
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Und ach! mein letzter Bruder mit dem Muth',
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Womit er oft gefochten, sterben,
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Der Harfe Klang um Mitternacht
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Dein Grabmal zu
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Indeß dein Geist, von friedereichen Höhen,
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Des Zwistes unterm Monde lacht.
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Ich aber muß gelassen jeden Feind
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Erwarten, ihm, als einem Freund',
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Was ich nur habe, willig geben,
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Und, schleppt er mich als Geißel einer Stadt,
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Die wenig Geld und offne Thore hat,
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Zum Dank' mit fort: wie kann ich widerstreben?
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Dann bringt mich wenigstens, ihr Feinde, nach
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Und wenn ich da mein Leid vertrunken habe,
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Reit' ich von selbst in Einem Trabe
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Nach Wien, zu Mimi

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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