Endlich muß ich doch es einmal sagen

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Endlich muß ich doch es einmal sagen Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Endlich muß ich doch es einmal sagen,
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Was ich länger nicht verschweigen kann.
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Treuer
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Die du hattest, naht der letzt' heran!
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Täglich, siehst du, wachsen meine Jungen
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Und die Zahl von ihren Foderungen,
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Aber,
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Kahl gebürstet hast du meine Kleider,
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Und mein Hut, du weist es selber, bricht.
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Dennoch, wie so oft du auch den Schneider
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Rufest, riefst du doch für mich ihn nicht.
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Aber, wenn ich in dem alten Rocke,
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So da steh' an dem Rainettenbaum',
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Und die Jungen kommen auf dem Stocke,
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Meinen Acten-Riemen statt dem Zaum',
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Ihrer Mutter Strumpfband statt der Peitsche,
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Angeritten – ha! das geht durchs Mark!
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Alle reiche Kleider, die der Deutsche
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Von
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Wie du weist, verschenkt' ich meinen Blessen,
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Und doch war der Blesse mir so werth!
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Für den Hafer, den er sonst gefressen,
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Kauft' ich Fritzen manch gemahltes Pferd
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Ging zu Fuß im Feld' umher spatzieren,
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War, es wenig achtend, Abends lahm,
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Wenn juchheiend nur mit seinen Thieren
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Fritz mir im Galopp' entgegen kam,
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Aller Nationen Pferde kannte,
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Aller Arten Hunde Namen nannte,
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Und vom Tigerthier' in Afrika
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Schreckliche Geschichten mir erzählte,
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Und mich küssend, und mich streichelnd quälte:
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Nun erzähl' du auch mir was, Papa!
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Werde, guter
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Daß ich auch von dir mich trennen muß.
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Ich, der nie Fortunens Gürtel löse,
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Dem sie selten einen lauen Kuß
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Nur erlaubet, soll ich armen Bauren,
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Guten Rath, nach Louisdor-Gewicht,
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Künftig geben? Und sie kalt bedauren,
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Wenn für sie kein fetter Truthahn spricht?
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Soll ich um ein Höschen für die Jungen,
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Mit dem Schneider lärmen, zanken, drohn,
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Bis ich noch zwei Groschen abgedungen,
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Ach! vielleicht des Mannes ganzen Lohn!
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Willst du mich vor Sonnen-Aufgang wecken,
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Noch ein Licht auf meinen Leuchter stecken,
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Wann bei keinem Nachbar Licht mehr brennt,
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Jede Meß' ein Büchlein auszuhecken,
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Das man in der nächsten nicht mehr kennt?
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Sieh! dieß alles, was ich ohne kalten
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Schauer, kaum einmal recht denken kann,
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Müßt' ich thun, dich länger zu behalten,
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Darum fasse dich, und sey ein Mann!
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Wolltest du nicht oft von mir sonst wissen,
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Was man Weisheit nenne? Höre mich!
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Hast du nichts bei mir gelernt, so lerne
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Wenigstens dieß Eine noch von mir;
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O! Zufriedenheit folgt in die Ferne
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Dann gewiß auf jedem Schritte dir.
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Komm' nur morgen früh herauf, und siehe,
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Ob ich mich nicht hurtiger, als du,
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Ohne Murren ob der kleinen Mühe,
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Kleiden will, vom Kopf' bis auf die Schuh'.
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Der du dich für mich des Schlafes gerne,
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Wie so süß der dein' auch ist, entschlugst,
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Und im hohen Schnee die Blendlaterne
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Vor mir her, so rasch und willig trugst,
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Als ich die, die ich nun ganz besitze,
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Nur zu sehen, keine Nacht mehr schlief,
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Und durch Flüss' und Wald, in Frost und Hitze,
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Oft mit dir in dunkeln Nächten lief:
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O du müssest, wär' er noch so selten,
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Doch den Herrn bald finden, der fortan
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Freund, wie ich, dir sey, und das vergelten,
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Was ich, leider! nur verdanken kann!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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