Friedfertig

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Friedfertig Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Friedfertig,
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Bin ich nur erst seit wenig Jahren.
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Doch ist mein Muth noch nicht dahin,
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Die See der Schlachten zu befahren.
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Denn sieh! mein wackrer Brauder liegt
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Noch segelfertig hier im Hafen,
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Sein purpurfarbner Wimpel fliegt,
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Und droht, den Kecken zu bestrafen,
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Der bloß aus Ehrsuchts-Kitzel kriegt.
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Der Kaper, der statt reicher Beute,
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Nur Aufsehn zu erregen sucht,
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Und laut von dem Verdecke, heute
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Den lobt, auf den er morgen flucht;
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Und jen' undeutsche Landesleute,
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Die stracks auf ihrem plumpen Kahn',
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Mit Schnörkeln, wie zu
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Staffirt, nachrudern auf der Bahn',
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Worauf sie
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Mit dem Homerus fliegen sahn;
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Die Herrchen, welche neues Land
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Entdeckt zu haben, uns verkünden,
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Sobald auf einer Bank von Sand
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Sie nur zwei neue Blümchen finden;
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Die Männerchen von Zuckerguß,
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Die gleich auf jedem Nautilus
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Auch eine Venus schiffen sehen,
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Für die der Gott der Liebe stehen
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Und ewig Pfeile wetzen muß:
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Kurz, diese Narrn und Närrchen alle,
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Verdienen, daß man auf sie kreuzt;
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Daß aber keiner meine Galle,
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Wie sonst, zum Ankerlichten reitzt,
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Das sey gedankt der guten Seele,
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Die nun am Steuerruder wacht,
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Und die Kajüt' aus einer Höhle
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Zur Myrtenlaub' auf Paphos macht.
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Mit ihr geh' ich am Strand' spatzieren,
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Und schau' hinaus aufs hohe Meer,
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Und sehe Furcht- und Hoffnungsleer
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Den Krieg auf gut korsarisch führen.
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Neutral zu seyn in jedem Streit',
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Ist feine Politik bei allen,
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Die beiden Theilen gern gefallen;
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Bei mir ist's bloß Gemächlichkeit.
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Gelehrt' und große Herrn vertreiben
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Durch ihre Kriege sich die Zeit,
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Und Ruhm, sogar Unsterblichkeit,
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Läßt sich erfechten und erschreiben,
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Doch nimmermehr Zufriedenheit.
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Vielleicht könnt' ich auch, durch Satyren,
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Noch späten Ruhm, wie Juvenal,
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Gewinnen: doch bedenk einmal!
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Was müßt' ich
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Dann könnt' ich nicht so süß, wie itzt,
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Am Bach' auf harten Rasen schlafen;
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Denn, wen ein Satyr erst besitzt,
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Wird selbst im Traum' das Laster strafen.
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Dann könnt' ich meine
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So oft, wie diesen Sommer sehen,
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Nicht mehr bei vollem Mondenlicht'
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Noch Stunden lang am Fenster stehen,
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Und durch ein süßes Traumgesicht
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In andre Welten übergehen;
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Und ach! nicht halbe Wochen lang
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Mit unserm Freund' von
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Bei unsrer Weiber Rundgesang,
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Und unsrer Kinder Lärmen, schmausen.
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Ich machte, seh' ich nun genau,
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Zur halben Wittwe meine Frau,
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Und meinen Fritz zur frühen Waise,
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Mich selbst, mit vierzig Wintern grau,
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Mit fünfzig schon zu einem Greise.
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Es ist denn offenbar vergebens;
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Aus mir wird nie ein Juvenal.
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Genießen will ich meines Lebens,
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Denn ach! man lebt ja nur einmal!
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Wer gäbe zwanzig seiner Jahre
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Für Cäsars Ruhm und Crösus Geld?
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Ich nicht! so lange von dem Staare
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Des Wahns, sich frei mein Aug' erhält.
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Je weniger ich von der Welt
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Und ihrer Hudelei erfahre,
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Je besser! weil ich manche Nacht,
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Die ich voll Unmuth sonst verwacht,
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Und manche Thräne mir erspare.
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Hätt' ich den Corsen helfen können:
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Die Corsen wären itzt noch frei!
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So aber, hör' ich itzt sie nennen,
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Wünscht' ich der Armen Sklaverei
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Bis diese Stunde nicht zu kennen.
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Und ach! stand es in meiner Macht,
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Belohnung dem Verdienst' zu geben:
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Des Todes schläft, sollt' itzt noch leben!
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So aber, kann ich itzt der Macht
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Der Thränen noch nicht widerstreben,
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Wenn sein Portrait, wie er im Leben,
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So freundlich, trotz dem Kummer, lacht.
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Die Welt gefällt mir täglich besser,
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Seit, um den Lug und Trug darin,
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Bewohn' er Hütten oder Schlösser,
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Ich nicht wie sonst bekümmert bin;
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Und, von der Seufzer Heer darin,
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Wünscht' ich so viele nur zu hören,
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Als ich in Lächeln umzukehren,
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(was hilft sonst Mitleid?) fähig bin.
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Wer aber edler Thaten Eine
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Mir aus der Welt erzählen kann:
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O wohl! der ist so recht mein Mann!
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Der trinke mit von meinem Weine,
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So lang er trinken mag und kann.
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Was ich da hör, erzähl' ich wieder
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An
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Und seine That, durch hohe Lieder
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Zur Nachwelt übertragen kann.
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Du aber,
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Der frechen Kaper, weit und breit!
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Schleichhandel mit Gelehrsamkeit
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Wird sich vor dir umsonst verstecken,
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Und, wer dem Orlogschiff' gebeut,
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Das
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Der eine Flotte von Schebecken!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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