1
Soll ich frohlocken? Soll ich klagen?
2
Wünsch' ich dir Glück? Bedaur' ich dich?
3
Wer spornt, wie du, zum Ziele sich,
4
Und wird so jung den Lorbeer tragen?
5
Doch, junger Freund, besinne dich!
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Der Geist, der mächtig, wie das Feuer
7
Im Aetna, auf in dir sich rafft,
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Bald eine Welt voll Ungeheuer,
9
Und bald ein Paradies erschafft;
10
Der, (wie dem Pico, – tausend Berge
11
Sind Hügel ihm! – ein gleicher fehlt,)
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Neun hundert neun und neunzig Zwerge
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In jedem Tausend Menschen zählt:
14
Der Geist, o Freund, verdient zwar immer
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Bewunderung, doch selten Neid.
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Liebt er Gesänge? desto schlimmer!
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Ruh', singt er, und Zufriedenheit,
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Oft andern Herzen, seinem – nimmer!
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Hat dich in seinem Schooß' das Glück
20
So mild wie die Natur genährt?
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Gab dir es einen eignen Herd?
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Gebeutst du über dein Geschick?
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Kannst du von Veilchen dir im Lenze,
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Im Herbst', von Astern, späte Kränze
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Auf einem eignen Gütchen drehn?
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Und, wenn von Eis die Fluren glänzen,
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Von deiner Hirtenmädchen Tänzen,
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Zu Tänzen in der Oper gehn?
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Kannst du dem Freund' aus eigner Schale,
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Zutrinken von bezahltem Wein'?
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Bei einem kleinen Abendmahle,
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Das nicht die magre Sorge kocht,
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Mit einer Brust, die aller Syrten
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Der Goldgier lacht, nie lärmt und pocht,
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Und einer Stirn', die dir mit Myrten
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Der Freiheit sanfte Hand umflocht,
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Anakreontisch ihn bewirthen?
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Kannst du der Weisen Weisheit kaufen?
42
Um zehn auf die Parade laufen?
44
Nicht einem Narrn, von dem Gelichter,
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Kurz, kannst du unabhängig seyn?
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So geh, und werd' und bleib ein Dichter.
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Wer die Natur zum Freunde hat,
49
Wird schwer das Glück zum Freunde haben;
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Wie billig! – An des Glückes Gaben
51
Frißt sich der Thor, wie Mastvieh, satt.
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Nimm ihm sein Futter für die Sinne:
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Was hat er mehr noch, als ein Schwein
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Im Kamp erfrorner Eicheln hat?
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O! glücklicher ist eine Spinne,
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Die ihr zerrißnes Netz vergißt,
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Ein neues webt, und ruhig ist.
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So blickt, mit bloßem Geist', ein Mann
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Sein unverschuldet Mißgeschicke
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Betrübt, doch so betrübt nicht an,
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Als wie der Thor mit bloßem Glücke.
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Auch du, o Liebling der Natur!
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Kennst von dem Glück' den Namen nur,
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Hast nichts, als dich und deine Flöte;
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Doch jung und sorglos, ist man reich.
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Du bist der Rosenknospe gleich,
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Die ruhig an der Morgenröthe,
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Von ihrem Tröpfchen Thau sich tränkt,
69
Doch, ob einst Sirius sie tödte?
70
Ob ihre Blätter, auf die Beete
71
Der Sturm verwehen wird? nicht denkt.
72
Als sie noch Wohlgeruch verstreute,
73
Trat jeder lüstern zu ihr hin,
74
Und nannte sie die Königin
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Der Blumen, küßte sie, und freute
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Sich ihres Balsams spät und früh.
77
Die guten, o die hübschen Leute!
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Doch auch nicht Einer – tränkte sie.
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Dieß ist das Bild von einem Dichter,
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Der früh, sich selbst der strengste Richter,
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Der Kunst sein ganzes Leben schwor;
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Der keine Katz' am Hofe streichelt,
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Und hätte sie des Fürsten Ohr,
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Und keinem reichen Thoren schmeichelt,
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Und wär' er ein durchlauchter Thor.
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Das Glück stellt kaum in hundert Jahren
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In einem Land' ein solches Paar,
89
Als König und Minister dar.
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Wie willst du nun auf Große hoffen?
91
Des Ruhmes Tempel steht dir offen,
92
Allein des Glücks Chatoulle nicht!
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Selbst Frankreich gab einst Pensionen,
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Nicht, um den Dichter zu belohnen,
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Bezahlt ward nur sein Lobgedicht.
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Weit klüger sind die deutschen Fürsten,
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Auch dieses Lob gilt ihnen gleich,
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Und wenn sie ja nach Lobe dürsten:
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Der Dümmst' am Hof', versichr' ich euch,
100
Ist für das Lob an Witz zu reich.
101
Ein Fürst, mein Freund, hat mehr zu thun,
102
Als einem Dichter zuzuhören,
103
Durch ihn von Sorgen auszuruhn,
104
Und für die Wohlthat ihn zu nähren.
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So lange Mädchen, für das Geld
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Des Landes, noch Maitresse werden,
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Kein Mangel ist an Hund und Pferden,
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Der Forst jagdbare Hirsche hält,
109
Die steifen Männer in der Karte,
110
Und die auf dem Paradeplatz',
111
Schön Spielwerk machen von dem Schatz',
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Den die Rentei zusammen scharrte:
113
So lang, ihr Dichter, Philosophen,
115
Bewerbt Euch um die Gunst der Zofen,
116
Und fällt Euch dieß etwa zu schwer,
119
Sonst möcht' Euch der Minister, frei
121
Ich seh' nicht, daß das nöthig sey!
122
Was ist dem Staat' der Dichter nütz?
123
So darf der Mann am Ruder fragen;
124
Doch darf des armen Dichters Witz,
125
Dreist, wie er fragt, die Wahrheit sagen?
126
Und sagt' er sie: Was wär' es nütz?
127
Wenn Plato diese Frage thut,
128
So thut sie der vielleicht mit Rechte;
129
Allein das Sprichwort, wie ich dächte,
130
O Freund! laß dich das Beispiel nicht
131
Von zwei belohnten Dichtern blenden!
132
Von vierzig deutschen Fürstenständen
133
Ist's noch nicht vieren süße Pflicht,
134
Für Geist Belohnung auszuspenden,
135
Denn nur für Körper geitzt man nicht.
136
Sey mittelmäßig als Minister,
137
Als General, als Arzt, als Priester,
138
So bist du – was die mehrsten sind.
139
Sey mittelmäßig als ein Dichter,
140
So ist, (die Nachwelt noch wird Richter!)
141
Dein Ruhm, dein Einzigs – Spreu im Wind'!
142
Und diesen Ruhm dir zu erstreben,
143
Mußt du von deinem kurzen Leben
144
Den schönsten Theil, Gesängen weihn.
145
Und bist du endlich durchgedrungen,
146
Hast deinen Namen groß gesungen,
147
Und deine Pfleg' im Alter, klein:
148
Was wird dir Ruhm und Nachruhm seyn?
149
Glaubst du, der Dichter wird geboren?
150
Nein, Freund, der erste Funke nur,
151
Und, o wie leicht geht der verloren!
152
Ja! hätte dir auch die Natur
153
Zu Iliaden Geist gegeben,
154
Du stirbst, ohn' Iliaden, hin,
155
Wenn du nicht durch das ganze Leben,
157
Die weite Welt und ihre Bürger,
158
Vom Grashalm' bis zum Zederbaum',
159
Vom Hirten bis zum Völkerwürger,
160
Erforscht im Wachen und im Traum'.
161
Wo nicht: singst du vielleicht dem Ohr'
162
Der Damen an den Toiletten,
163
Von Grazien und Amoretten,
164
Von Venus und von Cypripor,
165
In feinen, reinen, kleinen, netten
166
Gesängen, braven Schnickschnack vor.
167
Du kannst, gehüllt in blauen Dunst,
168
Dir freilich lauten Ruf erklimpern,
169
Denn, wie du siehst, ist manchen Stümpern
170
Dieß eine federleichte Kunst;
171
Doch, nach Jahrtausenden, noch allen,
172
Wie Flaccus und Homer, gefallen;
173
Das hängt nicht ab von Mädchen-Gunst.
174
Fleug hinter den Homerus her:
175
Willst du von deinem Geiste leben?
176
Ach! was gilt weniger, als der?
178
Für eine Messiade geben,
180
Der Mann fragt nicht, wie viele Jahre
181
Der Dichter sang? Er mißt die Waare
182
Bloß mit des Kaufmanns Messestab.
183
Was gab man dem Homer der Britten
184
Für sein unsterbliches Gedicht?
185
Ein Trankgeld! daß der Mann doch nicht
186
Die Federn ganz umsonst verschnitten.
187
Zwar wußt' als Wuchrer,
188
Was er als Dichter sang, zu nützen;
189
Wer aber möcht' um diesen Preis
191
Mein lieber Schwärmer! Die Natur
192
Ist zwar mit wenigem zufrieden,
193
Braucht, statt des Weines, Wasser nur,
194
Kann, statt Forellen, Wurzeln sieden.
195
Doch du, den nicht die Schäferflur,
196
Den die verfeinte Stadt geboren:
197
Hast du zum Stande der Natur
198
Nicht schon die halbe Kraft verloren?
199
Und was er lobt, muß wohl gefallen;
200
Ich wünschte selbst mich auf das Land,
201
Um dort, als Hirte, unbekannt,
202
Mein Leben friedlich hinzuwallen.
203
Doch, nach der Zeitung, geht der Mann
204
Spatzieren in den Thuillerien:
205
Was soll denn ich ins Holz voran,
206
Gleich einem halben Wilden, ziehen?
207
Denn, nach dem Stande der Natur,
208
Dicht vor dem Thore von Athen
211
Weil der so eigensinnig war,
212
Willst du es seyn? Den kleinen Bissen
213
Mit Kindern theilen? Oder gar
214
Das Glück, geliebt zu werden, missen?
215
Gern wird ein Mädchen dir die Hand,
216
Doch, Fluch für Gold, der Vater geben.
217
Wo fragt man denn: Hat er Verstand?
218
Die Frag' ist nur: Hat er zu leben?
219
Und, Freund, wer seine Freiheit liebt,
220
Muß keine reiche Gattin suchen;
221
Zu spät wird er das Geld verfluchen,
222
Vor dem die Ruh', wie Spreu zerstiebt.
223
Ein Dichter seyn, wird viel dir scheinen:
224
Doch, kennst du auch schon die Gefahr?
225
Er ist ein Aergerniß bei Neunen,
226
Dem Zehnten eine Thorheit gar.
227
Vom Sänger an der Iliade,
229
Von dem, bis zu des Jünglings Grab,
230
Das ich noch itzt mit Thränen bade
231
Kein Volk an guten Dichtern leer:
232
Unglücklicher kenn' ich noch mehr.
233
Man kauft' im Laden das Vergnügen,
235
Für wenig Geld. Mit vollen Zügen
236
Trank es der Lord, doch fragt' er wohl:
238
Und wenn nicht dieses: Hat er Brod?
239
Denkt er zu groß, sich klein zu schmiegen? –
240
Und ach! was kostete für Noth
241
Den Dichter, dieses Pairs Vergnügen!
242
O Freund! werd' ein berühmter Mann,
243
Dann darfst du nach N.N. nur reisen:
244
Drei Tage gafft dich jeder an,
245
Drei Tage wird dich jeder preisen;
246
Doch bist du weltberühmter Mann
247
Dem Löwen gleich, am vierten Tage,
248
Von dem die Stadt sich müde spricht.
249
Wie sah er aus? das ist die Frage;
250
Nicht, ob es ihm woran gebricht?
252
Daß hier Athen im Kleinen sey?
253
Geh hin, du Freund der Schwärmerei;
255
Der Hunger hätte da geheim
256
Wenn nicht die Freundschaft seines
257
Des Tigers Zahne noch gewehret.
258
Er starb. Ach! seines Todes Schuld
260
Denn dieß ertrug er mit Geduld;
261
Was dreißig Jahre vor der Zeit
262
Ihn nach und nach in Gram erstickte,
263
War seiner Eltern Dürftigkeit.
264
Er starb; beweint von drei bis vieren,
265
Die ihn allein gesucht, gekannt,
266
Und oft kann nicht ein ganzes Land
267
Solch einen Geist, wie den, verlieren.
268
Er starb; ein kleines Licht im Leben,
269
Dem, was im Glanz' des Goldes prahlt,
270
Kaum einen Seitenblick gegeben;
271
Nur erst im Tode überstrahlt
272
Sein Lorbeer, Stern' und Ordensbänder,
273
Sein Nam' allein, den ganzen Schwarm
274
Der Titel im Adreß-Kalender:
275
Und dieser Mann, war nichts, war arm.
276
Vielleicht schlägt deinem Muth', o Mann,
277
Dieß Beispiel eine leichte Wunde,
278
Die leider nur in einer Stunde,
279
Die Hoffnung wieder heilen kann.
280
Denn o! was half der Väter Sage
282
Sie folgten ihrem Herzens-Schlage,
283
Und sangen, trotz dem Zwang'! ihr Lied.
284
Freund! wenn auch dir dein Herz verbeut,
285
Vom Dienst' der Schönheit weg zu flüchten:
286
Nun wohl! so sey denn eingeweiht!
287
Sey nicht unsterblich in Geschichten,
288
Gib du dir selbst Unsterblichkeit!
289
Doch, um dieß Leben zu genießen,
290
(vom Ruhm' genießt man wenig nur!)
292
Durch leichte Freuden zu versüßen,
293
Laß dich die Mühe nicht verdrießen,
294
Für das, was Flaccus süßes hat,
296
Schlafkörnervollem Spaß' zu büßen.
297
Wie hat ein Mann, wie du, so leicht
298
Die Kunst, darob sich die Juristen
299
Auf Richterstühlen mächtig brüsten,
300
Sobald er will, im Spiel' erreicht.
301
Und alles wird er besser machen,
302
Als ein Pedant mit seinem Wahn',
303
Der, mög' er alle Nächte wachen,
305
Nichts weiß, nichts lernt, als – Schlendrian.
306
Sich gut in dieses Joch zu beugen,
307
(nicht, Denker seyn,) das heißt Geschick!
308
Und, daß du Dichter bist, verschweigen:
309
Nur dieß allein führt dich zum Glück'.
311
Durch Scherz der Freunde Busen schwellt;
312
Daß sich der Sänger an der Leine,
313
Ein Reitpferd zum Vergnügen hält:
314
Das danken ihrem Acten-Schreine
315
Und Corpus juris, beide sie.
316
Daß an des Mangels harter Kruste
317
Wem dankt' er das? der Poesie.
318
Freund! kann dich nicht der Mangel drücken,
319
Dein Aemtchen sey auch noch so klein,
320
Dann magst du dich Gesängen weihn,
321
Denn welches Amt kann sie ersticken?
322
Der Mann von Geist braucht wenig Zeit,
323
Sein Tagewerk frisch umzupflügen,
324
Und damit Basta! Dem Vergnügen,
325
Der Weisheit, sey der Rest geweiht.
326
Doch, Freund, damit die Hand der Zeit
327
Am Denkmaal' der Unsterblichkeit,
328
Nicht deinen Namen früh verwische,
329
So sey nicht neu durch bunten Schein,
330
Durch Form und Wörterkram, so mische
331
Selbst deinen Scherzen Weisheit ein.
332
Ha! welche Namen hört' ich doch
333
Als Knab', auf allen Lippen schweben;
334
Auf welchen schweben itzt sie noch?
335
Und, seinen Ruhm zu überleben,
336
Dafür, – denn denke dir die Pein! –
337
Ist's besser, nie berühmt zu seyn.
338
Wohl mir! daß ich kein Dichter bin,
339
Und nicht, wie du, nach Ruhme strebe,
340
Daß ich mit sorgenfreiem Sinn',
341
Der Weisheit und der Freude lebe.
342
Mein Aemtchen fodert wenig Zeit,
343
Mehr Schlendrian, als tiefen Geist:
344
Was Wunder! wenn die Thätigkeit
345
Die engen Schranken niederreißt,
346
Mich auf die Harzgebirge führet,
347
Wo meine Freundin, die Natur,
348
So ganz mit mir sympathisiret,
349
Und dann, doch freilich selten nur,
350
Die Lippen zum Gesange rühret.
351
Doch, zeigt mir einen ebnen Pfad,
352
(den krummen haß' ich,) das dem Staat'
353
Zu seyn, was Tausende nur scheinen:
354
Zur Dichtkunst spräch' ich gleich mit Weinen:
355
»leb wohl! Von Worten nun zur That!«
356
Dieß ungeheure Schiff, die Welt,
357
Hat zehen Thoren, einen Weisen
358
Am Steuer. Wem es bloß gefällt,
359
Als Passagier darauf zu reisen,
360
Ob man ihm gleich das Ruder beut,
361
Hat wenig Menschenfreundlichkeit.
362
Gefiel es ihm, im untern Raum'
363
Verschloßnem Jammer nachzuspüren;
364
Sag, ging' er wohl, (ich dächte kaum!)
365
Sorglos auf dem Verdeck' spatzieren?
366
Bei stillem Meer' und Sonnenschein'
367
Die Mannschaft durch Gesang vergnügen,
368
Das Ungemach der Reise klein,
369
Die Anmuth aber groß zu lügen;
370
Wenn Räuber ihre Freiheit dräun,
371
Durch Kriegsgesang das Herz entzünden;
372
Bricht Sturm und Donnerwetter ein,
373
Daß Muth und Kraft und Hoffnung schwinden,
374
Trost für das ganze Schiff zu seyn;
375
Ihm dann das Ende aller Reisen,
376
Die neue Welt von fern zu weisen;
377
O! dieß Verdienst ist nicht so klein.
378
Doch, diesen liederreichen Geist
379
Für die Gefährten seiner Reisen
380
Zum Streit' verwenden, so wie
384
Wo Gegengift für Gifte bricht,
387
Des Aberglaubens zu zerbrechen:
388
Ist dieß Verdienst nicht größer noch?
389
Von dir, der du die ganze Flotte
390
Der Welten, in dem Ocean
391
Der Schöpfung führst, von dir, dem Gotte
392
Voll Güt', erwart' auch ich den Plan
393
Des Lebens. Soll ich auf der Reise
394
Dem Volke mich zum Sänger weihn,
395
So sey mein Lied so froh als weise,
396
Dann wird auch manches Herz es seyn.
397
Doch wenn die schwere Fahrt den Schwachen
398
Mein Arm vielleicht erleichtern kann:
399
Hier bin ich, guter Herr! Wohlan!
400
Laß mich sie ihnen leichter machen.