Wir sind abermals geborgen!

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Wir sind abermals geborgen! Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Wir sind abermals geborgen!
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Freund! ich habe wieder Wein!
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Fort mit Grillen und mit Sorgen!
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Denn für heute und für morgen,
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Laß uns guter Dinge seyn!
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Als die erste unsrer Zähren
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Auf der Mutter Busen rann,
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Ließ ein längst begrabner Mann,
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Dieses Fäßchen schon im Keller jähren.
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Hab' er Dank, der gute Mann!
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Denn auf dieser Welt, wo Keiner
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Die Verdrießlichkeit in Bann,
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Und die Freud' in Erbpacht nehmen kann,
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Ach! was fing da unser Einer
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Ohne Freund und Rheinwein an?
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Wirklich hatt' ich kaum den Spund
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Meines Fäßchens ausgezogen,
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Kaum mit heißem, trocknem Mund',
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Zwanzig Tropfen eingesogen,
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War ich wieder, wie so bunt
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Auch die Welt es macht, von Grund
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Meines Herzens, ihr gewogen.
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He da! rief ich, holt geschwind
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Einen Boten, der nach
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Denn kein Auge, wie ein Kind
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In der Christnacht, thät' ich zu,
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Bis ich erst, daß ich und du
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Wieder reich an Weine sind,
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Sporenstreichs gemeldet habe.
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Wenn das närrisch ist – – je nu'!
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Schicken Fürsten doch Couriere
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Ueber Land und Meer sich zu;
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Wer den Inhalt stets erführe,
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Fänd' oft sicher falsche Schwüre,
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Oder doch ein X für U.
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Kannst du meiner nun wohl lachen?
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Sind ein alter Freund, wie du,
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Und ein alter Wein, nicht Sachen,
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Die den Gram in einem Nu
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Wandeln um in Scherz und Lachen?
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Läg' ich auch dem Glück' im Arm',
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Aber, wie ein König, arm,
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Ohne Freunde zu besitzen:
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Was kann dann ein Stückfaß nützen?
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Ach! aus allen seinen Ritzen
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Tröpfelt nichts, als bittrer Harm.
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Alles, alles kann man kaufen,
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Freunde nur und Freude nicht.
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Zwar es kommen ganze Haufen
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Mit dem freundlichsten Gesicht'
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Zu dem dummen Pull gelaufen,
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Um aus wahrer Freundschaftspflicht
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Auf sein Wohlseyn mit zu sausen;
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Doch wir hören schon von fern,
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Daß sich da die klugen Herrn
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Mit dem Aberwitze raufen.
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Geh', wohin du willst, der Wein
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Wird dir nirgend süßer schmecken.
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Theurer, älter kann er seyn;
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Aber sind nicht zwei, von drei'n
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Seiner Geber, Narrn und Gecken?
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Welcher Große sucht darin,
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Daß ein Weiser mit ihm trinke,
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Dank verdienenden Gewinn?
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Seine Höflichkeit ist Schminke,
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Seine Schmäuse – – – Prahlerei.
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Wenn du nicht mit Schmeichelei
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Jeden Tropfen seiner Flaschen
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Baar bezahlst: Bist du dabei?
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Aber zieht er aus den Taschen,
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Bündel platter Reim' hervor:
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Dann so sey du lauter Ohr!
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Ueberfällt ein Fieberschauer
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Seinen Ahnenstolz: ei nun!
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Ist sein Rheinwein nur nicht sauer,
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Mag er spaßhaft, wie ein Bauer,
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Oder grob zu seyn geruhn.
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Ob aus einer Landesplage
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Er den Wein ins Trockne zog,
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Einer Wittwe Hülfe log,
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Sich ihn listig mit der Wage
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Der Justitz, zum Vortheil' wog?
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Ob er aus dem Schweiß' der Bauren
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Ihn gekeltert? Ob du einst,
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Wenn du beim Concurse weinst:
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Das muß den sehr wenig kümmern,
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Der des Thoren Speichel leckt;
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Laß die Wittw' und Waise wimmern,
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Wenn's nur ihm indessen schmeckt!
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O wie soll mein Fäßchen dir,
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Der die Thoren haßt, behagen!
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Denn kein Zweifel wird dich nagen,
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Ob ein Narr vielleicht dafür
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Meinen Lobgesang gedungen?
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Eh' hätt' ich's, wie
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Mir durch Schweigen noch erzwungen.
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Nicht dem thörichten Bemühn,
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Einer alten Stirn' die Falten
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Glatt zu küssen, und an kalten
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Knochenhänden, jung zu glühn;
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Nicht Partheien, die errathen,
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Wo Champagner Eide bricht,
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Auch beschnittenen Ducaten
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Der Verleger, dank' ich's nicht.
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Dir, mein väterliches Gut,
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Dir, worauf noch keine Zähre,
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Weder Seufzer, Fluch noch Haß,
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Unterdrückter Armuth ruht,
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Dir verdank' ich's! o gewähre
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Alle Jahr' doch nur ein Faß!
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Und so viel noch, daß ich dann
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Willig den Erlaubnißschein,
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Bei dem Fasse mich zu freun
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Von dem Staate lösen kann.
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Sprich, wo fändest du im Lande,
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Von dem Elb- bis Weser-Strande,
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Einen Anker reinern Wein?
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Denn daß sich der Wirth nicht fände,
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Der sich kecklich unterstände,
120
Mehr, als ich, dein Freund zu seyn,
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Das versteht sich schon am Rande.
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Frage nur dein Herz, mein Trauter,
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Ist nicht unsre Freundschaft lauter,
124
Stärkend auch, wie unser Wein?
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Sie nur flüstert aus dem Herzen
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Das Geheimniß stiller Schmerzen
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In des Freundes Herz hinein,
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Wie bei Trunkenen der Wein.
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Enge Busen macht sie weiter,
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Trübe Stirnen lacht sie heiter,
131
Scherz und Lieder gibt sie ein,
132
Wie dem Traurigen der Wein.
133
Sie nur flößt für große Werke,
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Hektors Muth und Herkuls Stärke
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Unsern offnen Herzen ein,
136
Wie dem Schläfrigen der Wein.
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Sie nur lehrt, der Welt voll Narren,
138
Nicht so Swistisch gram zu seyn,
139
Wie den Doktor
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Sie nur macht die Silberbarren
141
Unserm Auge leicht und klein,
142
Wie dem Geitzigen der Wein.
143
Sie nur nimmt dem Ordensbande
144
Und dem Sterne, seinen Schein,
145
Wie beim Höflinge der Wein.
146
Sie nur lehrt, dem Unbestande
147
Falscher Mädchen zu verzeihn,
148
Wie den Liebenden der Wein.
149
Alles das kann Freundschaft geben?
150
Ha! wenn sie das alles thut,
151
Ei! so laß uns immer leben,
152
So sind Welt und Menschen gut.
153
Glücklich bin ich! Wein und Gold
154
Hat mir keine Freund' erworben!
155
Die ich habe, sind mir hold,
156
Die mir fehlen, sind gestorben.
157
Wollte gleich mir das Geschick
158
Alle meine Habe plündern:
159
Würd' es ihre Zahl vermindern?
160
Nein! Sie liebten nicht mein Glück.
161
Trug' ich selbst am Bettlerstabe,
162
Das, was ihre Liebe mir
163
Schnell erwarb, vor ihre Thür:
164
O so wäre, bis zum Grabe,
165
Was mein Freund nur hätt', auch mir.
166
Möge nun das Glück mich führen,
167
Wie es immerhin begehrt;
168
Freunde kann ich nicht verlieren,
169
Und der Rest, ist wenig werth.
170
Nur den Wein, den Wein nimm aus;
171
Er, ein Freund von Witz und Freude,
172
Jagt den Ernst mit sammt dem Neide
173
Und Zurückhaltung, hinaus.
174
Ohne Wein und Witz und Freude,
175
Was ist da der höchste Schmaus?
176
Doch! wie manche frohe Stunde
177
Soll aus unsers Fäßchens Spunde
178
Quillen, wann du bei mir bist!
179
Scherze über Fürsten-Zwist,
180
Spöttereien über Thoren,
181
Haben darin ausgegohren;
182
Komm und fülle draus! Du bist
183
Träg etwa? Es macht dich munter!
184
Hast du Spleen? Es taucht ihn unter!
185
Bist du krank? Es macht gesund!
186
Lechzet dir nun nicht der Mund?
187
Flieg' zu einem Bachanale
188
Nach Sokratischer Manier.
189
Eine plank polirte Schale
190
Wartet heute deiner hier;
191
Und ein langer Zuckerhut,
192
Der auf einem ganzen Berge
193
Duftender Citronen ruht,
194
Und dem Trinker in dem Saale,
195
Wie ein Pharus auf der See,
196
Zu der Freude Hasen leuchtet;
197
Und ein Aster, weiß wie Schnee,
198
Der am funkelnden Pokale,
199
Sich so gut wie Rosen deuchtet;
200
Um den lustigen Kamin,
201
Trockne Wurzeln ganzer Buchen,
202
Augen, (auch das Herz hüpft nach!)
203
Die im höchsten Bodendach'
204
Durch ein Seherohr dich suchen.
205
Alle Könige der Erden,
206
Sammt der düstern Weisen Zunft,
207
Sollten wahrlich! allzumal,
208
Trotz dem Gold' und der Vernunft!
209
Traurig und verlegen werden,
210
Sähen sie dieß Freudenmahl.
211
Ihre Hand voll Banco-Noten,
212
Und ihr Kopf voll Schwärmerein,
213
Hat oft Sorgen Trotz geboten,
214
Aber auch wohl immer? Nein!
215
Zwar du Gold, und du o Wein!
216
Manche Schmerzen könnt ihr lindern,
217
Aber arm, wer sie zu mindern,
218
Euch, wie Moxa, nöthig hat!
219
Reicher ist, wer in der Hütte,
220
Von den Beeren in dem Hain'
221
Und des Baches Wasser satt,
222
Keinen Wunsch und keine Bitte
223
Je um euch verloren hat!
224
Was der König Salomo
225
Einst im Großen hier genossen,
226
Wahr' und Falsches, Ernst und Possen,
227
Bald als Quintessenz, bald roh;
228
Eben das sah ich im Kleinen
229
Auch ein Dutzend Jahr' mit an,
230
Und nun sollt' ich fast doch meinen,
231
Daß ich endlich
232
Ziemlich unterscheiden kann.
233
Darum fühl' ich auch, (dieß
234
Nicht, dieß
235
Das, warum die Menschen spielen,
236
Labet, unsern Durst zu kühlen,
237
Nur auf einen Augenblick.
238
Lieferten mir alle Zonen,
239
Schönen, wie dem Großsultan',
240
Lebten hundert Millionen
241
Nur nach meinem Wink' und Wahn';
242
Wär' ich sinnreich im Verschwenden,
243
Wie
244
Spräche gleich in meinen Händen
245
Eine Flöte
246
Wär' ich, Tugend zu verblenden,
247
Schön, wie
248
Leuchtete aus meinen Tänzen
249
Des
250
Könnt' ich bald durch Ernst, wie
251
Bald durch Witz und Spötterei,
252
Immer reich, und immer neu;
253
Könnt' ich endlich meinen Scheitel
254
Mit
255
Dennoch hieß es endlich: Nein!
256
Weisheit, Freundschaft nur und Wein,
257
Sonst ist alles, alles eitel!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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