Tausend von den besten Stunden

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Tausend von den besten Stunden Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Tausend von den besten Stunden
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Dieses Jahres, dank' ich dir!
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Um mein Leben hast du mir
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Einen Myrtenkranz gewunden,
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Seit in dieser Wüste hier,
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Ich das höchste Glück, in dir
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Einen weisen Freund gefunden;
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Seit nicht mehr die kranke Ruhmbegier
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Ueber Staub und Motten wacht,
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Seit ich klüger, manche halbe Nacht,
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Mit Sophien und mit dir,
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Weggescherzt und weggelacht.
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Niemals sah ich in den letzten Stunden
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Eines Jahres, mit so heiterm Blick'
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In ein Jahr, das bald verschwunden,
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Aber nicht verloren ist, zurück.
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Zwar verweilet sich am Grabe
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Meines
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Weh'! daß ich ihn nicht mehr habe!
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Wohl! daß ich ihn wieder finden kann!
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Und ich werd' ihn wieder finden,
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Wenn ich meine Spanne Raum
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Durchgekrochen bin, und dieser Traum
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In dem Arm' der Engel wird verschwinden.
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Noch, da ich im Traume bin,
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Freut mich's, wenn er mich entzückt;
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Weislich seh' ich selbst dahin,
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Daß der schwere Alp der Sorgen
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Mein zufriednes Herz nicht drückt,
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Und mein Auge, jeden Morgen,
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Heiter nach dem Himmel blickt.
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Ob die Großen in
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Von mir hören? an mich denken?
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Sollte das mich heimlich kränken,
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Und die Stirn in Falten ziehn?
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Zu versorgen hab' ich keinen,
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Als nur mich, nur mich allein;
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Und du weist ja, diesem Einen
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Ist sein Häuschen nie zu klein,
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Nie sein Tuch zu grob gewebet,
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Nie zu leicht sein Frankenwein;
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Gut genug mag alles seyn,
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Wenn man ohne Sorgen lebet.
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Auszufüllen meine kleine Sphäre,
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Das sey meine Sorge; damit gut;
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Und ein Unverschämter störe
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Meinethalb mit Bettelei um Ehre,
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Oder Gold, den Mann, der niemals ruht!
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Mag man Andrer Renten mehren,
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Schränke selbst die Meinen ein:
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Meinen Schlaf soll das nicht stören,
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Nicht vergällen meinen Wein.
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Und was soll mir Geld? So Viele
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Haben dreimal mehr, als ich;
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Rennen nach der Freude Ziele
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Täglich außer Athem sich;
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Ich geh' auch den Weg im Spiele,
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Und der Erst' am Ziel' – bin ich!
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Ob der reichsten Schöne Hand
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Des Verschwenders List sich weihet,
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Ob ein Mädchen voll Verstand
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Einem Narren Weihrauch streuet,
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Und ein dummes, Weis' entzweiet,
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Und ein schönes, unbedacht,
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Einem Faune sich ergibt,
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Alles das, mein Lieber, macht
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Mich nicht fröhlich, nicht betrübt.
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Mag die Freundschaft nur mein Herz
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Immer mehr an sich gewöhnen!
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Liebe, mit
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Ist ein gar zu langer Schmerz,
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Liebe zu Horazens Schönen,
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Ist ein gar zu kurzer Scherz.
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Laß die Thoren, die zu Wagen,
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So wie die zu Roß und Fuß,
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Böses oder Gutes sagen;
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Kann ihr schönstes Lob behagen?
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Es ist einer Metze Gruß,
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Und ihr Tadel zu ertragen.
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Wahrlich, hab' ich auch nicht Zeit,
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Mich mit ihnen abzugeben;
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Der verschwendet nur das Leben,
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Wer der Weisheit alten Streit
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Mit der Unvernunft erneut.
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Freund! dir ist der Rest der Zeit,
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Die ich hab', im neuen Jahre,
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Wenn du sonst ihn willst, geweiht?
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Ach! erspare denn, erspare
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Was du kannst, von deiner Zeit!
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Tausche, wie in diesem Jahre,
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Mit mir um; hast freilich nicht
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Dir das beste Loos gezogen,
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Doch beim Tausch' wird, wie man spricht,
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Einer allemal betrogen.
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Hast du doch aus deinen Schätzen
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Lange, lange zuzusetzen;
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Nimm es so genau denn nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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