So bist du denn zu deiner Reise fertig?

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: So bist du denn zu deiner Reise fertig? Titel entspricht 1. Vers(1788)

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So bist du denn zu deiner Reise fertig?
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Jetzt bist du noch in meiner Hand,
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Bald aber wie allgegenwärtig
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Vom Rheine bis zum Donaustrand'.
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Bald wirst du, liebes Söhnchen, nun
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Bei Prinzen und Prinzessen
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Auf weichen Ottomannen ruhn,
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Um, wenn vielleicht der Schlaf sie hat vergessen,
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Den Dienst des Opiums zu thun.
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Vielleicht nimmt gar ein Hoffräulein voll Gnade
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Dich beim Frisiren auf den Schooß,
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Und seufzt mitleidig: Ewig Schade!
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Wärst du nur ein Franzos'!
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Doch, guter Junge, laß dich das nicht irren;
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Geh, wie dein Vater, deinen Gang
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Geruhig fort, laß um dein Ohr den Klang
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Der Stangen und der Hörner plumper Sbirren,
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Des Klatschens selbst der Kenner, schwirren,
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Wenn, sie zu rühren, dir gelang.
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Du weist, daß ich dich nicht erzog,
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Um in der großen Welt zu schimmern;
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Wie sollt' ich mich für dich um sie bekümmern,
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Da ich ihr selbst so früh entflog?
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Genug, wenn mein Gefühl mich nicht betrog,
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So wird sich nie durch dich ein Herz verschlimmern;
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So wird der Mann, der Freude liebt,
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Vielleicht dich gern erzählen hören,
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Wie in der Kunst, die Freuden zu vermehren,
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Dein Vater sich sein Leben lang geübt,
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Durch nichts so leicht ließ seine Ruhe stören,
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Und, wenn wir durch den Tod nur keinen Freund verlören,
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Sich selbst als Greis noch über nichts betrübt.
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Du brauchst, verlangt man etwa mehr
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Zu wissen, nicht halsstarrig auszuweichen;
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Doch sag' nur dieß: daß wir einander sehr
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Im Guten, und im Bösen gleichen.
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Besorge nicht, daß dich, wie
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Die Welt einst werde Lügen strafen.
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Zwar bist auch du vielleicht der Motten Speise schon,
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Wenn ich bei Würmern werde schlafen;
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Doch, wenn du, (möcht' ich wahr doch prophezeihn!)
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Ein weitres Ziel, als ich, dir kannst erstreben,
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So soll gewiß mein ganzes Leben
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Kein Vorwurf dir bei deinen Freunden seyn;
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Denn, Lehren hat mein Mund gewagt der Welt zu geben,
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Doch prägt' ich sie zuvor erst meinem Herzen ein.
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Nicht halb so schön wardst du und deine Brüder
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Von mir gezeugt, als
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Von ihren Lippen fließt so süß die Weisheit nieder,
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Wie Honigseim aus einer Linde rinnt.
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Was, dacht' ich, muß nicht für ein Mann
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Der Vater seyn! die Krone aller Weisen!
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Ach! zehnmal war ich nah daran,
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Als mir die Freiheit noch den Lebensfaden spann,
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Zu Fuße nach
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So mächtig zog die Sympathie
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Mich hin zu ihm! Mein liebster Wunsch auf Erden
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War der, von ihm geliebt zu werden!
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Ja! hätt' ich nicht das Sklavenvieh,
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Wie Flaccus die Nachahmerzunft benamt,
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Als Jüngling schon gehaßt, von allen
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Hätt' ich nur
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Obgleich er nie der großen Welt gefallen.
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Er starb; da ging ich tiefer in den Wald,
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Und weint', und mochte niemand um mich dulden,
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Doch beim Verzeichniß' seiner Schulden
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Vertrocknete der Bach der Thränen bald.
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Denn wer die Weisheit, die das Leben
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Allein nur werth, es durchzuleben, macht,
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So süß uns lehrt, und selbst nicht widerstreben
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Der Thorheit kann, wenn sie im Schmucke lacht,
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Dem kann ich Dank für seine Lehre geben,
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Doch für sein Beispiel, das den Jüngling irre macht,
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Nichts als ein kaltes: Gute Nacht!
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O! ruhete mit seiner Asche doch
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Sein Beispiel still im dunkeln Grabe,
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So hätt' ich ganz des Mannes Weisheit noch,
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Von dem ich nur den Witz noch habe.
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Was ich, durch keine
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Dich suchen hieß, o Sohn! hast du gefunden,
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Wenn sich von deiner Freunde Stunden
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Auch Eine nur durch dich mit Rosen krönt,
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Indessen, von der Welt nun losgewunden,
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Sich selbst nach Ruhm dein Vater nicht mehr sehnt.
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Doch darf er
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Daß
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Dein Lied im Finkenbusch' das Frühstück hat gewürzt,
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Vielleicht der Frau in
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Des Winterabends, durch Gesänge,
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Die du die Töchter lehrtest, sich verkürzt;
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Der Sprung ins Grab wird leichter dann
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Durch einen solchen frohen Glauben!
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Denn freilich werd' ich mich der hohen Buchenlauben,
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Der Rosen, die ich selbst daran
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Gepflanzt, der Muskatellertrauben,
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Wozu ich selbst den Stock gelegt,
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Und meiner wunderschönen Tauben,
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Die ich so pünktlich selbst verpflegt,
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Wohl ungern, selbst als Greis, berauben.
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Doch laß' ich dich gesund und stark zurück,
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So kann die Welt mich leicht entbehren.
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Der Unzufriedenheit die Zähren
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Sanft abzutrocknen, und der Thoren Schwarm
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Zu überzeugen, daß, zu viel begehren,
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Den Armen nur noch ärmer macht als arm,
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Das wird nicht jedermann gegeben:
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Kannst aber du das noch, mein liebes Kind,
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Wenn meine Knochen längst ein Spiel der Winde sind,
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Wie leicht verlaß' ich dann ein Leben,
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Worin ich selbst, so wenig mir's auch schien,
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Nichts besseres den Menschen konnte geben,
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Nichts bessres für sie thun, als dich für sie erziehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
(17481828)

* 13.07.1748 in Gröningen, † 18.02.1828 in Syców

männlich

deutscher Dichter des Rokokos und preußischer Beamter

(Aus: Wikidata.org)

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