Zum neuen Jahr

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Adolf Friedrich von Schack: Zum neuen Jahr (1854)

1
In Herrlichkeit, wie sie die Welt nicht sah
2
Seit grauer Zeit des Altertumes,
3
Mein deutsches Vaterland, stehst du nun da
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Auf Sonnenhöhen deines Ruhmes.

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Verderben schleudert auf den Feind und Tod
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Das Falten deiner mächt'gen Stirne,
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Und doch spielt milder Glanz um sie, wie Rot
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Des Morgens um der Alpen Firne.

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Wohl! Um die Schläfe, die der Siegesaar
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Umkreist mit den gewalt'gen Schwingen,
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Magst an des Friedens duftendem Altar
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Du dir der Kränze reichsten schlingen!

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Ihr, die als schönster Schatz der Menschheit gilt
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Und sie der Geisterwelt verkettet,
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Der heil'gen
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Sei Hütrin, die sie schützt und rettet!

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Schritt nicht die Dichtung durch den Schatten schon,
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Den deine Urwaldeichen warfen,
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Und rauschten ihre Wipfel nicht beim Ton,
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Dem ehernen, der Bardenharfen?

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Gedenk, wie dich von früher, nie versiegt,
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Der Melodieen Strom durchflutet,
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Auf dem Beethoven sich, der Schwan, gewiegt,
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In dem sich Mozarts Herz verblutet!

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Strahlt nicht als heller Morgenstern der Kunst,
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Der andern lichter Reigenführer,
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Zu uns aus finstrer Zeiten Nebeldunst
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Herüber der erhabne Dürer?

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Und länger könnte dich, die das besitzt,
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Bethören noch der Tand der Seine?
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Vom eitlen Bildwerk, das der Franke schnitzt,
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Auflesen möchtest du die Späne?

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Nein! Aufwärts schau, zu jener Riesenwelt,
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Die sich, ein Werk der Feen und Gnomen,
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Nur durch ein ew'ges Wunder aufrecht hält,
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Zu Kölns und Straßburgs hohen Domen!

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So wie hochauf ihr Wald von Pfeilern steigt
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Und mit den Aesten, Ranken, Reben
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Zur mächt'gen Säulenlaube sich verzweigt,
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Soll deine Kunst gen Himmel streben.

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Ein hoher Tempel sollst du selber sein,
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Und, wenn ringsum der Schönheit Blüten
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Im Sturm des Herbstes sinken, noch allein
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Des Geistes Heiligtümer hüten.

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Und flieht an andre Küsten einst der Tag,
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Der wechselnde, der Weltgeschichte:
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Vergoldend lang auf deinen Zinnen mag
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Er ruhen noch mit letztem Lichte!

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So spielt um die Ruinen Griechenlands
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Noch heut ein Abendrot, als küßte
51
Der untergeh'nden Sonne Scheideglanz
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Des Mäoniden Marmorbüste.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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