An die Franzosen

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Adolf Friedrich von Schack: An die Franzosen (1854)

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Ihr zürnt, daß wir, mit Raubkrieg überzogen,
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Euch blutend wieder heimgesandt,
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Und deutsche Gaun, um die ihr uns betrogen,
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Entrissen eurer Frevelhand?

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Für viele Missethat war das die Sühne,
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Und mit mehr Recht habt ihr gebüßt,
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Als jener Fürst, den auf der Henkerbühne
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Für fremde Schuld ihr sterben ließt.

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Nicht an die Ströme Bluts, aus deutschen Adern
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Geschlagen vom Franzosenschwert,
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Mehr dächten wir fortan, noch altes Hadern,
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Wenn ihr nicht die Verstockten wär't.

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Vereint nun sollten wir den Feind bekriegen
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Den argen Sohn der Finsternis,
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Dem eurer Besten einer von den Zügen
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Die Lügenmaske lachend riß.

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Doch ihr, berauscht vom Trank des Taumelweines,
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Der euch so oft den Sinn bethört,
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Schreit Rache, weil wir euch beim Raub des Rheines,
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Dem langgebrüteten, gestört.

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Wohl, wählt, verbündet mit dem Vatikane,
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Der Menschheit tausendjähr'gem Fluch,
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Die Fledermaus zum Sinnbild eurer Fahne
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Anstatt des Adlers, den sie trug!

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Laßt Priester sie mit Segenssprüchen weihen,
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Und – edles Bündnis! – Afrika
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Die Tiger seiner Wüsten nach uns speien –
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Wir stehen kampfgerüstet da;

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Und durch das Rasseln der Kanonenräder
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Euch rufen wir ins taube Ohr:
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Gezählt die Teuren hat der Unsern jeder,
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Die durch eu'r Mordschwert er verlor.

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Paläste sind in Deutschand nicht noch Hütten,
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Wo nicht die Trauer hauptverhüllt
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Umsonst nach einer Stimme lauscht, nach Tritten,
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Die sonst sie frohen Klangs erfüllt.

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Und, soll nochmals des Krieges Flamme lodern,
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Ein furchtbar Würgen wird es sein;
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All die Erschlagnen, die in Frankreich modern,
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Sie kämpfen mit in unsern Reihn!

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Ja, einen Toten hat ein jeder drunten,
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Des Geist zum Rachewerk ihn stählt
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Und hell das Feuer sprühn läßt von den Lunten
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Und sorgt, daß nicht die Kugel fehlt.

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So wißt, eh ihr beginnt das Unerhörte
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Und neu mit Blut die Erde netzt:
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Es ist der eigne Untergang, Bethörte,
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Den auf den

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Denn enden wird der Kampf erst, ob Millionen
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Von Leben auch das Schlachtschwert frißt,
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Wenn ausgetilgt im Buche der Nationen
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Der Name der Franzosen ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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