Zum Friedhof, wo bei gelber Blätter Fall

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Adolf Friedrich von Schack: Zum Friedhof, wo bei gelber Blätter Fall Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Zum Friedhof, wo bei gelber Blätter Fall
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Matt im Novemberlicht die Kreuze glänzen,
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Nun strömt das Volk, bei Trauerglockenschall
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Geliebte Gräber zu bekränzen.

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War je der Jahre, die gewesen sind,
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So mördrisch eins wie dies? Mehr Hoffen
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Hat es, als Blätter der Novemberwind,
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Mit gift'gem Todespfeil getroffen.

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Wie viele schleppten matt und todeswund
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Von Frankreichs blutgedüngten Stätten
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Die Glieder heim, nur um auf deutschem Grund
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Zur letzten Ruhe sich zu betten!

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Und neidenswert noch ihr, die in den Schoß
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Der Heimat ihr gesenkt die Euern!
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Wie manche Mutter sehnt sich schlummerlos
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Nur nach der Asche ihrer Teuern!

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Der Abend kommt; im Kreise um sie her
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Versammelt hat sie ihre Lieben;
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Doch stumm blickt sie, das Auge thränenschwer,
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Auf einen Platz, der leer geblieben.

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Sie hofft umsonst je von des Sohnes Hand
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Noch werde regen sich die Klinke,
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Vergebens, daß, gekehrt ins Vaterland,
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Er an das Mutterherz ihr sinke.

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Auf ferner Heide streiten nun vielleicht
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Um seine Leiche sich die Raben;
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Der Wind, der kalt durch die Vogesen streicht,
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Hat sie vielleicht in Schnee begraben.

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Doch nein, nicht so! Verstumme, Grabgeläut,
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Und hemmt, ihr Mütter, Brüder, Schwestern,
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Den Klagelaut! Vergaß das kleine Heut
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So schnell schon das gewalt'ge Gestern?

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Denkt, wie, als wär' ein Himmel aufgethan,
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Lächelnd zum Vollglanz unsrer Siege,
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Empor vom Sterbebett die Greise sahn,
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Die Säuglinge aus ihrer Wiege!

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Da warfen stolz, dem Heldentod geweiht,
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Gleich jener heil'gen Schar von Theben,
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Die Euren hin ihr niedres Staubeskleid,
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Um in Unsterblichkeit zu leben;

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Glückselig sie, die, während sie der Sieg
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Umrauschte aus des Banners Falten,
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Der deutschen Sonne, welche glorreich stieg,
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Ins Antlitz schau'nd, nach jenseits wallten.

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Betrügt sie denn durch Klagen, wie zum Hohn,
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Nicht um den Ruhm, ihr teures Erbe;
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Nein, bleibt euch nach den andern noch ein Sohn,
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So lehrt ihn, daß wie sie er sterbe!

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Hinweg mit Seufzern und dem weißen Kranz,
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Mit Threnodien und Trauerschleiern!
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In jedem Auge Freudenthränenglanz,
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Soll Deutschland seine Toten feiern!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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