Hier, wo um mich im Morgenglanz der Alpen Gletscher strahlen

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Adolf Friedrich von Schack: Hier, wo um mich im Morgenglanz der Alpen Gletscher strahlen Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Hier, wo um mich im Morgenglanz der Alpen Gletscher strahlen,
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Und hinter mir Italien mit seinen Goldfruchtthalen,
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Mit seiner Myrtenhügel Grün verschwimmt in duft'ge Bläue,
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Schaut freudethränenvoll mein Blick, o Deutschland, dich aufs neue!
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Oft, aus der Ferne heimgekehrt ans Ufer deines Rheines,
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Wohl dacht' ich, schön auf Erden sei wie du der Länder keines,
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Und Rast nicht ließ mir's, bis ich dich nochmals durchpilgert hatte,
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Von wo das Hochgebirg Tirols sich senkt zur grünen Matte,
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Und in der frischen Thäler Schoß die blauen Seen träumen,
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Bis wo an Schleswigs Dünenstrand die Nordseewogen schäumen;
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Doch stolzer heut, als je zuvor, darf ich dich mit dem süßen,
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Dem heil'gen Namen Vaterland, du teure Heimat, grüßen!
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Wenn sonst in alten Bergen nur, wo rankendes Gewinde
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Der Epheu schlingt und scheu bei Nacht am Brunnen trinkt die Hinde,
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Ich deines Ruhmes Kunden las auf grauen Marmorplatten,
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Jetzt glorreich stehst du vor mir da, erstanden von den Schatten.

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O, nun der mächt'ge Kaiseraar, hinflatternd ob den Heeren,
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Zu seinem alten Horste kehrt, an Siegen reich und Ehren,
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Wie rollt hochwallend, Adern gleich, wenn sie zu schnellern Schlägen
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Die Freude treibt, dein deutscher Rhein voll Jubel ihm entgegen!
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Von den Vogesen bis zum Harz, zum Kreidestrand von Rügen
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Fliegt flammenhell die Botschaft hin von seinen Siegesflügen;
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Aus langem, schwerem Traum erwacht, hebt Straßburgs Kathedrale
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Begeistert ihr befreites Haupt und tönt im Morgenstrahle,
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Und mit der Glocken Festgeläut vom Strome hin zu Strome
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Zujauchzen freudestammelnd ihr die hehren Schwesterdome.
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Hochbrausend mit der Wogen Schlag, die um Arkona branden,
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Begrüßt der Ostsee blaue Flut das Reich, das neu erstanden;
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Die Alpen jauchzen Antwort ihr mit donnernden Lawinen,
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Und deine Kaiserpfalzen all und deine Burgruinen
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Und deine Städte altersgrau, des Ruhms erlauchte Wiegen,
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Erglänzen in dem jungen Licht, dem Schutte halb entstiegen.

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Gesühnt ist, was von welschem Hohn seit Karls von Anjou Tagen
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Bis zu dem Korsenunhold du, Unselige, ertragen.
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Zu deinen Toten drunten selbst im kalten feuchten Grauen
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Der Gräber rinnt der Trost hinab wie sanftes Frühlingstauen,
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Und sie, der Franken-Frevelmut das schöne Herz gebrochen,
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Die heilige Luise, fühlt neu ihre Pulse pochen;
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Von Thränen um ihr Vaterland noch schwer die Augenlider,
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Entsteigt sie ihrem Sarkophag und hebt die Blicke wieder,
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Und schlürft die junge, reine Luft mit frohem Atemzuge.
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Indes sie über Deutschlands Aun hinwallt in luft'gem Fluge,
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Schwebt von Apuliens Blütenstrand, verklärt im Morgenrote,
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Der junge Konradin heran, der vielbeweinte Tote,
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Und Manfred führt er an der Hand, des Staufenthrones Erben,
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Den welsche Tücke so wie ihn gerissen ins Verderben.
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Da, wie die teure Heimat sie mit ihren burg-bekrönten
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Felshöhen schauen, lächeln sanft hernieder die Versöhnten.

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So mögt ihr unserm Volk fortan Schutzgeister sein, Verklärte,
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Daß es so groß im Frieden sei, wie mächtig mit dem Schwerte!
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Gleichwie nach der Gewitternacht durch das zerriss'ne Dunkel
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Der Morgenstern sein Licht ergießt mit silbernem Gefunkel,
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Auf alle Völker strahle so von dem geweihten Schilde,
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Mit dem es Recht und Freiheit schützt, ein Glanz von Himmelsmilde!
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Den Blick der Zukunft zugewandt, in Thatenkraft der Ahnen,
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Der Menschheit schreit' es kühn voran auf ihren hohen Bahnen,
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Bis unter Palmenwipfeln sie im morgenhellen Lichte
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Aufatmet aus dem Kampfgewühl, dem Angsttraum der Geschichte,
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Und nach Jahrtausenden voll Blut, nach langen, düstern Nächten
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Der Liebe schöne Genien ihr den Kranz des Sieges flechten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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