Steigst du aus der Gruft, Erhabner?

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Adolf Friedrich von Schack: Steigst du aus der Gruft, Erhabner? Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Steigst du aus der Gruft, Erhabner?
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Von der Erdengeister Haft
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Hat dein abgrundtief-begrabner
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Heldenleib sich aufgerafft?

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Wo dich band des klugen Zwerges
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Leisgeraunter Zauberspruch,
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In der Kluft des Odenberges
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Schlummertest du lang genug;

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Senktest auf dem Stuhl von Erze
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Deine Stirne, träumeschwer,
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Und das Licht der Grubenkerze
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Goß sich flimmernd um dich her.

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Aber als die Frist verronnen,
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Wie ein Erdstoß da erscholl's,
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In den Erz- und Feuerbronnen,
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In den Wasseradern schwoll's;

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Und beim Ruf, der mit dem Stoße
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Schütterte den Erdenball,
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Dröhnte: »Wo ist Karl der Große?«
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Hundertfach der Wiederhall.

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Da erstandest du, Gewaltiger,
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Sprengtest die granitne Thür;
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Ein Jahrtausend hing als faltiger
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Mantel um die Schultern dir;

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Und ein steingewordner Schatte,
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Deine Seele selber Stein,
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Trittst du auf die Marmorplatte,
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Neu bei deinem Volk zu sein.

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Sprich, was runzelst du die Brauen?
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Freut das Morgenrot dich nicht,
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Welches deinen deutschen Gauen
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Hoffnungsreich durch Wolken bricht?

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Siehst du nicht mit Stolz das Wappen,
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Das dein ein'ges Deutschland schmückt,
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Seit in sechsunddreißig Lappen
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Wir dein Purpurkleid zerstückt?

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Nicht den Dom, wo edelmütigst
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Wir die Fahne abgesteckt,
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Und der Gallierhahn uns gütigst
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Basiliskeneier heckt?

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Nicht die Wälder, wo der Gimpel
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Seine Hoffnungslieder pfeift,
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Und der Mastbaum für die Wimpel
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Unsrer deutschen Flotte reift?

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Nein, den Blick verhülle, Mächtiger!
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Nicht für dich ist dieser Tag!
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Mag ein Schleier dir, ein nächtiger,
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Uns entziehn und unsre Schmach!

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Schlaf in diesem immer wüsteren
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Leben, das die Nachwelt lebt,
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Nur erwachend, wenn mit düsteren
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Nebeln sie die Nacht begräbt!

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Dann, wenn Donner um dich wettert,
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Wenn der Sturmwind dich umfliegt,
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Und der Blitz, der sonst zerschmettert,
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Sich auf deiner Stirne wiegt,

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Schau hinab zu deinem Reiche,
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Das sich weithin, endlos zieht,
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Wie die Gegenwart die bleiche
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Große Vorzeit dämmern sieht!

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Durch die Fläche schleicht ein Glimmen
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Wie ein blasses Meteor;
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Fernher tönen dumpfe Stimmen,
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Kaum vernehmbar an dein Ohr.

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Lauter dann, gleich Geisterrufen,
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Hallt es aus dem Erdenschoß,
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Wie Gestampf von eh'rnen Hufen
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Dröhnt's und wie Drommetenstoß.

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Ist's das Wogen ferner Meere,
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Das an fels'ge Küsten schlägt?
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Sind's die Schemen deiner Heere,
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Die der Sturmwind peitscht und fegt?

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Ja, sie steigen, die Erwachten,
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Aus der Gruft, wo hingestreckt
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Sie den Staub von hundert Schlachten
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Ueber ihren Pfühl gedeckt.

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Toderstandne, bleiche Gruppen,
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Nahn sie sich im luft'gen Tanz,
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Ihre eh'rnen Panzerschuppen
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Blinken matt im Mondenglanz.

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Schleuderer und Bogenspanner,
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Eiserne von Isenland,
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Knappen mit dem heil'gen Banner
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Und dem Horne Olifant,

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Ritter, die der Saracenen,
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Die des Nordmanns Heere sahn,
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Ziehn auf Rossen, schwarz von Mähnen,
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Zu dir her die nächt'ge Bahn.

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Aber du aus dicht sich ballenden
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Nebeln, wie ein Riesengeist,
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Blickst hernieder zu dem wallenden
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Kriegsvolk, wie es um dich kreist.

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Da der alten Schlachtlust denkst du,
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Deine Ader schwillt vor Zorn;
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Einmal noch die Fahne schwenkst du,
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Einmal stößst du noch ins Horn!

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Langsam, weithin tönt der flutende,
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Schwellende, gewalt'ge Schall –
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So blies Roland, der verblutende,
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In der Schlucht von Ronceval.

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Wild indes, wie ums verwitternde
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Felsenhaupt ein Wolkenzug,
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Braust das Heer um deine zitternde
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Steingestalt im Wirbelflug;

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Und wie bei der Töne Rollen
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Donnernd das Getümmel wallt,
107
In dem Sturm und Wettergrollen
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Ist das kleine Jetzt verhallt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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