Die schwarze Schar

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Adolf Friedrich von Schack: Die schwarze Schar (1854)

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Mit dunklen Tschakos alle und Totenköpfen drauf
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Eilten bei Hörnerschalle sie nach dem Zelte zuhauf.
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Und ehe sie drinnen waren, rief freudlich der Herzog schon:
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»gegrüßt, ihr schwarzen Husaren! Gegrüßt, meine Rachelegion!«

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Die Braven hieß er sich setzen: »Achtsam eu'r Ohr mir geliehn!
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Mir sendete diesen Fetzen der Kaiser eben aus Wien;
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Mehr liebt er auf Bällen das Tanzen als Waffentanz in der Schlacht;
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Drum hat er bei Znaym mit den Franzen jetzt seinen Frieden gemacht.

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»damit ich ihn unterschreibe, schickt er den Wisch mir nun;
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Er denkt wohl, mit einem Weibe, wie
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Doch, daß man Schurke mich heiße, daß Schande mich treffen mag,
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Wenn ich das Blatt nicht zerreiße! Da liege, verfluchter Vertrag!«

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Er rief's, und zerrissen stoben umher die Stücke Papier;
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Jubelnden Ruf erhoben Gemeiner und Offizier;
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Er aber: »Mein Blut fühl' ich sieden und Glut auf den Wangen mir lohn,
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Sobald ich höre von Frieden mit dem Unhold Napoleon.

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Den Vater mir hat er erschlagen, mein Braunschweig mir geraubt;
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Nicht mochte mein Weib das tragen, früh sank ihr blühendes Haupt;
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Dann über dem Grab meiner Lieben sah ich von den Alpen zum Meer,
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Von Höllengeistern getrieben, hinjagen sein wütendes Heer.

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Wie schreit noch aus Dörfern und Städten zum Himmel um Rache der Brand!
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Wie hat dich der Wütrich zertreten, mein deutsches Vaterland!
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Wie deine Söhne geschändet, betrogen, verführt, entzweit,
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Bis sie einander verblendet würgten im mördrischen Streit!

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Deine Fürsten, die stolzen Schildhalter von Kaiser und Reich,
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Wie ist ihre Größe geschmolzen, wie ward ihre Ehre so bleich!
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Vom fremden Unterdrücker nahmen zu Lehn sie den Thron
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Und preisen ihn Weltbeglücker, indes sie zermalmt sein Hohn.

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Doch
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Fort! fort! Sonst wird mich ersticken die deutsche Kerkerluft;
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Hindurch uns zu schlagen zum Meere, ihr Freunde, führ' ich euch an,
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Und fall' ich, so fall' ich mit Ehre als deutscher Fürst und Mann!«

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Also der kühne Welfe; und rings auf sein Aufgebot
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Erscholl es: »Daß Gott uns helfe, wir folgen dir bis zum Tod!«
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Die Hand ihm zu küssen drängte sich Jäger heran und Husar,
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Und hurtig von dannen sprengte der Herzog mit seiner Schar.

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Im Sturme vorwärts brausend auf schäumenden Rossen ging's;
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Kaum waren sie ihrer tausend und der Feind unzählbar rings;
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Doch ob stärker ums Hundertfache, scheu ließ er sie ziehn fürbaß:
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»weh, weh, das Corps der Rache, die schwarze Legion ist das!«

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Stach aber einen der Kitzel, sie zu hemmen auf ihrer Fahrt,
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Bald hat er in dem Scharmützel die welfische Kraft gewahrt!
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Denen, die heim geblieben, wenn er im Kampf nicht fiel,
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Wußt' er von deutschen Hieben hinfort zu erzählen viel.

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»auf, Halberstadt zu erstürmen!« erschallt's aus des Herzogs Mund.
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Erzspeiend von Mauern und Türmen kracht der Kanonen Schlund;
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Aber den Flammen entgegen, die den Tod auf sie sprühn,
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Dem zischenden Kugelregen werfen die Schwarzen sich kühn.

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Der Führer stürmt, der kecke, den andern voran zum Thor,
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Unter ihm sinkt sein Schecke, zu Fuß dann dringt er vor;
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Schon ist eine Bresche geschossen, er wirft sich, der erste, hinein:
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»sieg oder Tod, ihr Genossen!« tönt's durch der Seinen Reihn.

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Genommen Wälle und Schanzen, erobert Halberstadt!
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Die westfälischen Schranzen senken die Arme matt;
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Aus Fenstern wehen Schleier, und jubelnde Bürger streun
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Blumen auf den Befreier: »Heil, Enkel Heinrichs des Leun!«

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Zum Meer auf offenen Wegen zieht weiter das kleine Heer;
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Die Straßen ihm zu verlegen wagen die Welschen nicht mehr;
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Nur scheu, wie den Löwen die Füchse, umschleichen sie's noch fortan;
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Als ob jeder zum Riesen wüchse, geht Furcht den Schwarzen voran.

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Von Felsen zu ihren Füßen bald sahn sie der Flut Geroll,
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Aus dem es wie Freundesgrüßen den Freien entgegen scholl.
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»nun, meine Kampfgesellen, hinweg vom geknechteten Strand
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Ueber die freien Wellen ins freie Engelland!

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Einst an die Küsten der Väter heimträgt uns der hurtige Kiel;
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Ihr Feiglinge und Verräter, verloren dann euer Spiel!
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Der Feinde giftiger Heerrauch wird, wo wir nahen, vergehn,
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Und Freiheit, ein frischer Meerhauch, hin über Deutschland wehn!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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