Die Hohenstaufenkrone

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adolf Friedrich von Schack: Die Hohenstaufenkrone (1854)

1
Noch rauschen deine Eichenforste
2
Von unsrer Väter Heldentum;
3
Um deiner Felsenburgen Horste
4
Schwebt einsam noch der Adler Ruhm;
5
Es glüht von seinen kühnen Flügen
6
Die Kunde noch in Flammenzügen
7
An manchem Denkmal, halb vermorscht:
8
Doch über den Ruinenhaufen
9
Nach dir, o Land der Hohenstaufen,
10
Nach dir hab' ich umsonst geforscht.

11
In schweren Kerkerbanden liegst du,
12
Germania, Weib im Trauerkleid;
13
Gramvoll die müde Stirne wiegst du
14
In Träumen der vergangnen Zeit!
15
Es spotten dein die rohen Schergen,
16
Wie deine Thräne zu den Särgen
17
Des Gatten und der Söhne träuft,
18
Und rostig ruht am Sarkophage
19
Ein Schwert, nach dem in stummer Klage
20
Bisweilen deine Rechte greift.

21
O Zeit, mit ihm ins Grab gestiegen,
22
Als, deinem Friederich vermählt,
23
Du deine Tage nach den Siegen,
24
Die er für dich erstritt, gezählt!
25
Als sich vom Rhein zum Hellesponte
26
Die Welt in deinem Ruhme sonnte,
27
Und dein Panier mit stolzem Flug
28
Im alten Wunderland der Träume,
29
Im Orient, die Purpursäume
30
Des fernsten Morgenhimmels schlug!

31
Wo ist das Zeichen, das geweihte,
32
An dem das Erdenschicksal hing,
33
Die Krone, die den Kaiser feite,
34
Mit ihrem goldnen Zauberring?
35
Wo das Geschlecht, das göttlich schöne,
36
Die hehren Töchter und die Söhne,
37
An deiner Mutterbrust gesäugt?
38
Ach! Antwort giebt der stille Jammer,
39
Der tiefer in der Totenkammer
40
Dein Antlitz auf die Erde beugt.

41
Doch traue, Weib, den alten Sagen,
42
Von unsern Vätern gern geglaubt!
43
Es liegt dort, wo die Alpen ragen,
44
Ein himmelnahes Bergeshaupt;
45
Rings klaffen mit jahrtausendalten
46
Schneefeldern ungeheure Spalten;
47
Kein Wanderer drang je hindurch;
48
Und auf der höchsten, steilsten Spitze
49
Hebt sich die Nachbarin der Blitze,
50
Der Stürme Braut, die Kronenburg.

51
Als Manfred fiel, der heldenkühne,
52
In Benevent auf blut'gem Feld,
53
Als auf Neapels Henkerbühne
54
Hinsank der junge Kaiserheld,
55
Da trug von dem verwaisten Throne
56
Ein Aar die Hohenstaufenkrone
57
Zu jenem Alpenschlosse fort –
58
Es blühn und welken die Geschlechter,
59
Doch Geister schirmen, treue Wächter,
60
Bis heut des deutschen Reiches Hort.

61
Einst aber wird ein Held erstehen,
62
Von edlem deutschem Stamm ein Sproß,
63
Auf den der Herr im Sturmeswehen
64
Den Atem seiner Weihe goß;
65
Es strahlt sein Haupt im Morgenglanze;
66
Befreiung blitzt auf seiner Lanze,
67
In seinem Banner rauscht der Sieg,
68
Und mit den Winken seiner Brauen
69
Lenkt durch der Schlachten Wettergrauen,
70
Wie seinen Sklaven, er den Krieg.

71
Vor ihm vergeht die Macht der Bösen,
72
In sich zerbricht der alte Bann;
73
Das deutsche Kleinod einzulösen,
74
Stürmt er die Kronenburg hinan;
75
Und sieh! die Eisgewölbe brechen,
76
Sie lösen sich zu Gletscherbächen,
77
Schneebrücken stürzen donnernd nach,
78
Und, hoch die Alpenhäupter zündend,
79
Ein neues Erdenjahr verkündend,
80
Hebt strahlend sich der junge Tag.

81
Hernieder dann aus den Ruinen,
82
Die teure Krone in der Hand,
83
Steigt bei dem Donner der Lawinen
84
Der Kaiser in sein deutsches Land;
85
Ihn feiern die Drommetenstöße,
86
Der auf das Haupt der alten Größe
87
Den Kranz der jungen Freiheit drückt;
88
Ihm prangt die Flamme der Altäre
89
Und ihm die lautre Freudenzähre,
90
Die jedes deutsche Auge schmückt.

91
Dir kündet, Weib, der Klang der Glocken
92
Das Nahen des ersehnten Herrn;
93
Entgegen strahlt von seinen Locken
94
Die Krone dir als Morgenstern;
95
Und über dir und dem Befreier,
96
Als Zeuge bei der heil'gen Feier,
97
Die allen deinen Jammer sühnt,
98
Rauscht stolz wie einst die deutsche Eiche,
99
Die mit dem neu erstandnen Reiche
100
Der Ewigkeit entgegengrünt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.