Wie öde trauert diese heil'ge Welt

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Adolf Friedrich von Schack: Wie öde trauert diese heil'ge Welt Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Wie öde trauert diese heil'ge Welt
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Im zweifelhaften Schein der Tageshelle,
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Die dämmernd durch die Bogenfenster fällt
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Und zitternd schleicht um Altar und Kapelle.

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Bisweilen nur, unheimlich wie im Traum,
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Scheint sich der Tempel wundersam zu regen,
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Ein innres Atmen den geweihten Raum
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Mit geisterhaftem Leben zu bewegen.

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Dann hört man durch die Stille dumpf und schwer
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Verloren einzle Glockenklänge hallen,
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Wie vor dem Sturme auf ein schweigend Meer
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Die Tropfen der Gewitterwolke fallen.

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Ein bleiches Weib, ein Geist vom Ehedem,
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Wallt durch den Dom; gelöst sind ihre Haare,
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Halb von der Stirne sank das Diadem,
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Ein Trauerkleid umfließt die Wunderbare.

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Gebrochnen Schrittes wankt sie hin; sie blickt
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Die Kaisersärge an mit stummem Harme
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Und hebt mit Klagerufen, halb erstickt,
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Um Rache flehend himmelwärts die Arme.

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Da aus der Orgel bricht ein mächt'ger Schall,
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Ein Sterbeseufzer, ihrer Brust entquollen,
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Der bei der Säulengänge Wiederhall
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Durch das Gewölbe schleicht mit dumpfem Rollen.

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Und von dem Riesenklang erbebt das Licht
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Der Lampen, die auf den Altären schimmern,
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Daß geisterhaft, wohin es zitternd bricht,
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Die Kreuze und die Leichensteine flimmern.

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In dichtern Tropfen aus den Pfeifen träuft's,
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Und durch die Hallen schweben dunkle Schatten,
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Und zwischendrein vernimmt man das Geseufz
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Der Toten unter ihren Marmorplatten.

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Bald wieder alles stille wie zuvor!
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Rings Nacht und Schweigen in den öden Mauern;
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Nur Kreuze, eingehüllt in schwarzen Flor,
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Und Heil'ge, die in ihren Nischen trauern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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