Noch lebst du, schöner Gott des Lichts! Ob auch

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Adolf Friedrich von Schack: Noch lebst du, schöner Gott des Lichts! Ob auch Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Noch lebst du, schöner Gott des Lichts! Ob auch
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Dein letzter Tempel längst zerfallen
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Und nie mehr bei der Lyderflöten Hauch
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In Delphi fromme Chöre schallen:
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Noh flammen Hellas' Felshöhn dir, Apoll,
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Bei jedem Frührot als Altäre,
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Noch donnern bei Korinth mit Flutgeroll
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Den Hymnus dir die beiden Meere.

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Und wem, von höherm Drang entflammt, das Herz
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Hinausstrebt aus der Zeiten Enge
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Zu dir, so wie die Blume sonnenwärts,
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O König ewiger Gesänge,
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Das Antlitz wendet er; nach Griechenland
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Führst du ihn heim in wachen Träumen
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Und lässest ihm am Munde, voll zum Rand
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Der Dichtung Götterbecher schäumen.

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Nicht drängen Blätter sich im Wald so dicht,
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Die vom Geäst der Herbstwind wehte,
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Wie drunten, Trümmerschicht auf Trümmerschicht,
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Verschollene Hellenenstädte;
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Hinweggeschwemmt hat der Barbaren Flut
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Das Volk der Griechen von der Erde;
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Ein neu Geschlecht entfacht die Opferglut
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Auf eines neuen Gottes Herde.

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Doch wenn mein Blick vom Hange des Parnaß
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Dahinschweift längs der Felsen Fuße,
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Wo hier und da aus Schutt von Tempeln blaß
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Aufragt ein hagres Bild der Buße,
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Oft fernher hör' ich deiner Leier Klang,
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Und hell beginnt die Luft zu strahlen;
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Du nahst! Ambrosisch Duften quillt beim Gang
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Von deinen goldenen Sandalen.

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Und fortgenommen von Gebirg und Flur
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Ist der Verödung Fluch, und wieder,
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Von dumpfem Alpdruck frei, schlägt die Natur
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Empor die schweren Augenlider,
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Und Tempeldächer blicken marmorweiß
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Durch Lorbeerwipfel und Platanen,
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Und durch die Zweige hin rauscht dir zum Preis
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Der Schall von festlichen Päanen.

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So, mag ein neuer Gotensturm Ruin
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Der Welt von heute auch bereiten,
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Lächelnd, in ew'ger Jugend hin durch ihn,
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Gott des Gesanges, wirst du schreiten;
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Wie Strahlen schon vor Morgen nach und nach
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Mit Licht der Berge Haupt verklären,
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Spielt um die Stirne dir der junge Tag,
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Wo wieder dich die Menschen ehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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