Nun aus der Urwelt trüben Dämmerungen

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Adolf Friedrich von Schack: Nun aus der Urwelt trüben Dämmerungen Titel entspricht 1. Vers(1854)

1
Nun aus der Urwelt trüben Dämmerungen,
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In die vor Menschenblick und Tageslicht
3
Dich die Jahrtausende hinabgeschlungen,
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Auf steigst du wieder; nein, du selber nicht –
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Von jenem Troja, das Homer besungen,
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Begraben in Ruinen, Schicht auf Schicht,
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Ist, zu Atomen von der Zeit zerrieben,
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Ein Aschenrest allein zurückgeblieben.

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Getürmt, seitdem am rauschenden Skamander
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Des Priam stolzer Königsbau geragt,
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Hier haben sich die Reiche aufeinander;
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Das eine bröckelte, zu Staub zernagt,
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Dem andern nach, und schon als Alexander
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Am Grabeshügel des Achill geklagt,
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Versunken in das trümmerübersäte
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Blachfeld längst warst du unter andre Städte.

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Die schwarze Spur von Qualm und Flammenbrand
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Nur kündet, daß die Sage keine Lüge
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Von dem verheerten Ilion, das hier stand;
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Dazwischen liegen Spangen, Thränenkrüge,
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Goldreife, die der Kön'ge Haupt umspannt,
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Zerstückt sie all; und halberloschne Züge
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Auf eh'rnen Opferschalen, die zerbrachen,
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Noch stammeln stumm in lang verklungnen Sprachen.

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Doch unten tiefer, wo sich selbst zum bleichen
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Zwielicht die Nacht empor nicht ringen kann,
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Ahn' ich den Staub von ganzer Völker Leichen,
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Und wie Verwesungsduft haucht es mich an
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Von Königen, die kein Erinnrungszeichen
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Auf Erden ließen; eh dein Tag begann,
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Verklungen war selbst in der Sagen Munde
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Von ihnen und von ihrem Reich die Kunde.

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Wer mag, wie tief die Gräber reichen, wissen?
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Wär' uns zu Füßen eine Riesenkluft
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Hinab bis in der Erde Herz gerissen,
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Wir sähen eine ungeheure Gruft,
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Und noch bis aus den tiefsten Finsternissen
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Entgegen quöll' uns feuchte Grabesluft
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Und Moderdunst der stummen, unzählbaren
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Geschlechter, die vor uns auf Erden waren.

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Mir ist, als hört' ich durch verschollne Tage,
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Den schwarzen Abgrund namenloser Zeiten,
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Die keiner kennt, mit leisem Flügelschlage
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Den Tod hin ob der Völker Häuptern gleiten,
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Als schöll' ans Ohr mir ihre Sterbeklage,
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Wie sie im Trauerzug vorüberschreiten
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Und in das dunkle Reich, die weiten Hallen,
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Die allen aufgethan, hinunterwallen.

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Und ob die Zukunft zu Gigantenjahren
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Anschwellen mag, der alte Kreislauf bleibt,
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Der ruhelos auf Wiegen und auf Bahren
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Hinauf, hinunter alles Leben treibt,
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Bis selbst mit allen seinen Wesenscharen
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Das Erdenrund in blassen Dunst zerstäubt,
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Daß wieder sich der Nebel im Erkalten
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Zum Wohnplatz forme neuer Staubgestalten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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