An meinem Geburtstage

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Adolf Friedrich von Schack: An meinem Geburtstage (1854)

1
Der junge Tag läßt Thal und Höhn
2
Im Abglanz seines Lächelns glimmen;
3
Von allen Seiten schallt Getön
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Der Herden, die an Felsen klimmen;
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Die goldnen Sommerfäden schwimmen
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Wie Boote durch der Lüfte Meer;
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Es tönt gleich tausend Liebesstimmen
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Der Vögel Zwitschern um mich her.

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Dort unten fließt der alte Rhein;
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Ich sehe muntre Kinder spielen;
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Ich seh' im heitern Sonnenschein
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Die Blüten an den schlanken Stielen
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Geschaukelt von des Windes Flügel;
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Doch ich mag nimmer fröhlich sein
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Und schaue vom bemoosten Hügel
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Mit trübem Blick ins Land hinein.

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Wie ruht' ich einst so sanft und tief,
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Eh zu des Erdenlebens Kummer,
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Mich dieser Tag ins Dasein rief!
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Das Nichtsein ist der beste Schlummer!
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Wer bist du, namenloses Wesen,
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Das mich geweckt, als ich ihn schlief?
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Wer ist der Bittende gewesen?
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Wer reichte dir den Vollmachtsbrief?

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Noch schwebt vor meinem Geist ein Bild
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Aus meinen frühsten Kindertagen,
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Als mich die Mutter engelmild
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An ihrer lieben Brust getragen;
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Sie ließ den Lebensquell mich saugen,
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Der aus dem Mutterbusen quillt,
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Und sang und sah mir in die Augen,
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Bis sie den Weinenden gestillt.

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Sie sah mich tief und tiefer an,
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Und traur'ger wurden ihre Lieder,
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Und eine heiße Thräne rann
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Auf das geliebte Kind hernieder;
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Sie hatte wohl zu tief gesehen
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Und ahnt' im kindlichen Gesicht
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Schon all die Leiden und die Wehen,
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Vor denen jetzt mein Herz zerbricht.

41
Der Sommer flieht, der Herbst beginnt!
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Schon sinken matte Schmetterlinge
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Und Blätter sterbend in den Wind;
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Die Schwalbe prüft zum Flug die Schwinge,
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Und bange zittert's durch die Reiser,
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Wie sie der kältre Hauch durchrinnt,
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Und flüstern hör' ich's leis' und leiser:
48
Komm schlafen, armes, müdes Kind!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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